Die Warnungen haben es in sich: Ray Dalio spricht von einem "langen ideologischen Krieg". Mark Mobius sieht wenig Hoffnung für eine schnelle Lösung. Und Stephen Jen sagt, wir seien allesamt Zeugen des Beginns eines 15-Runden-Kampfes. Während die USA und China über alles Mögliche streiten – vom Handel bis zur Technologie – bereiten sich einige der namhaftesten Investoren auf einen langwierigen Supermacht-Konflikt vor und passen ihre Portfolios entsprechend an. Über diese Entwicklung berichtet "Bloomberg News".

Mobius zum Beispiel meidet Aktien chinesischer Exporteure und von Einzelhändlern, die an inländische Verbraucher verkaufen. "Dieser Wettbewerb wird ein langwieriger Prozess sein, der wahrscheinlich unsere Karriere überdauern wird", sagte Jen, ehemaliger Ökonom beim Internationalen Währungsfonds und bei Morgan Stanley, der jetzt Eurizon SLJ Capital, ein Hedgefonds- und Beratungsunternehmen, leitet. "Wir als Investoren und Analysten müssen Schritt halten und versuchen, nicht nur die neuesten Nachrichten zu verfolgen. Wir müssen die Wirtschaft und die kulturellen Unterschiede verstehen."

Markt wird pessimistischer
Weltweit haben Aktien im Mai vier Billionen US-Dollar an Marktkapitalisierung verloren, während die Renditen der US-Staatsanleihen auf das niedrigste Niveau seit 2017 sanken. Auslöser waren die Erhöhung der Zölle auf chinesische Waren durch die Regierung von US-Präsident Donald Trump und die Maßnahmen gegen den Telekommunikationsriesen Huawei Technologies Co.

Chinas Präsident Xi Jinping forderte seine Landsleute auf, sich auf einen "neuen Langen Marsch“ einzustellen. Zudem bereitete sich China darauf vor, seine Dominanz bei Seltenen Erden-Schlüsselzutaten in Smartphones und Elektroautos als Waffe im Handelskrieg einzusetzen. Hinzu kam am Monatsende Trups Drohung, auch gegen Mexiko Strafzölle wegen der illegalen Zuwanderung einzuführen.

Dalio warnt vor einer "Reihe von Zusammenstößen"
Für Dalio, den Milliardär und Gründer von Bridgewater Associates, geht der Konflikt weit über einen Handelskrieg hinaus. Mit dem Aufstieg Chinas zu einer ernstzunehenden Weltmacht, die die USA herausfordern kann, werden die Länder aufgrund unterschiedlicher Ansätze in Bezug auf Regierung, Wirtschaft und Geopolitik in einer Reihe von Konfliktpunkten gegeneinander antreten, schrieb er in einer Serie von Beiträgen auf LinkedIn im Mai.

Selbst wenn es Trump und Xi gelingen sollten, ein Handelsabkommen abzuschließen (es wird erwartet, dass sie sich auf dem G20-Gipfel im Juni treffen), werden China und die USA laut Mobius auf absehbare Zeit weiterhin über Themen wie Technologie streiten. "Wir befinden uns in einem neuen Spiel. Trump hat wirklich in dieses Wespennest gestochen", so der Marktveteran. (aa)