Die Anleger ignorieren die steigenden Finanzmarktrisiken, sagt Beat Thoma, Anlagechef bei Fisch Asset Management. Aktuell würden zwar noch einige stabilisierende Faktoren wirken, doch die grundlegenden strukturellen Risiken bereiten ihm zunehmend Sorgen. Wandelanleihen könnten in einer solchen Situation ein besseres Chance-Risiko-Profil bieten als Aktien, meint Thoma.

Strukturelle Faktoren alarmierend
"Inflation und Staatsverschuldung steigen seit Längerem insbesondere in den USA, aber auch global, deutlich an", so Thoma. Diese Trends würden kurzfristig durch steigende Energiepreise und auch durch höhere Rüstungsausgaben zusätzlich verstärkt. Problematisch sei vor allem, dass es sich bei den Treibern um strukturelle Faktoren handele, die nur schwer umzukehren seien und auch nach einem potenziellen Ende des Iran-Krieges weiterwirken.

Thoma macht vor allem das Zusammentreffen mehrerer Faktoren Sorgen. So nehme etwa die für die Finanzmärkte wichtige globale Liquidität seit einiger Zeit ab. Das liege zum einen an den zunehmend restriktiven Zentralbanken sowie an einer Umlenkung von Finanzmarktliquidität in die Realwirtschaft. Verstärkt werde dieser Trend durch einen hohen Refinanzierungsbedarf an den globalen Anleihenmärkten in den kommenden Monaten.

Markt ignoriert Warnsignale
Vorerst bleibt die Situation laut Thoma unter Kontrolle, denn zwei wichtige Faktoren dämpfen die Risiken: "Erstens steigen die für die Inflation zentralen Geldmengen M2 aufgrund restriktiver Notenbanken nur moderat. Zweitens dämpfen derzeit enorm hohe Steuereinnahmen in den USA das Staatsdefizit und damit die langfristigen Zinsen." Deshalb werden potenzielle strukturelle Gefahren an den Finanzmärkten zurzeit fast vollständig ignoriert.

Trotzdem sollten wichtige Indikatoren wie der Dollar-Yen-Wechselkurs und Staatsanleihenrenditen in den USA und Japan genau beobachtet werden. Sein Rat: "Wir empfehlen bereits jetzt, Aktien in Wandelanleihen zu tauschen, da diese ein interessantes asymmetrisches Chancen-Risiko-Profil bieten." (jh)