Anlegern bleibt in den kommenden Monaten wohl kaum Zeit zum Durchatmen, befürchtet Vermögensverwalter Gottfried Urban. An Risiken für die Märkte mangelt es jedenfalls nicht: "Eine zweite Welle der Pandemie könnte Regierungen dazu veranlassen, die Ausgangsbeschränkungen erneut zu verschärfen. Die zu erwartende Zunahme der Insolvenzen könnte das Geschäftsvertrauen belasten. Diverse verlorene Jobs könnten möglicherweise nicht wiederhergestellt werden", zählt der Chef von Urban & Kollegen Vermögensmanagement auf. Hinzu kommen die Spannungen zwischen China und den USA sowie die US-Wahl im November.

Den Börsen droht bis weit ins kommende Jahr hinein ein Stresstest nach dem nächsten. Anleger sollten sich dagegen wappnen, rät der Vermögensprofi. "Ebenso, wie Unternehmen Stresspläne erstellen, sollte man Depots entsprechend vorbereiten", sagt er. "Dazu gehört bei Aktien der Blick auf traditionelle Kennzahlen und das Geschäftsmodell." Eine breite Streuung des Kapitals über mehrere Branchen und Regionen hinweg wirkt wiederum Klumpenrisiken entgegen.

Solide Aktien sind die beste Absicherung
Stop-Loss-Orders steht Urban kritisch gegenüber. "Höhere Marktschwankungen produzieren Fehlsignale", sagt er. Außerdem besteht mit den Instrumenten die Gefahr, dass Anleger nicht rechtzeitig wiedereinsteigen. "Modellrechnungen gehen immer vom Optimum aus. Die Praxis war meist bei immer stärker kurzfristig manipulierbaren Märkten nicht erfolgreich", so der Anlageexperte. Das beste Risikomanagement besteht seiner Ansicht nach darin, in qualitativ hochwertige, niedrig verschuldete und hochrentable Unternehmen zu investieren. "Das ist der Schlüssel für eine robuste Aktienstrategie, auch wenn es keinen direkten Schutz vor Kursverlusten bietet", sagt er.

Immerhin: Länger anhaltende Abwärtsbewegungen wird es am breiten Markt wohl nicht geben, prognostiziert Urban. Das verhindern die Notenbanken mit ihrer Geldschwemme. "Die enorm hohe Liquidität bei Null- oder Negativzinsen wird die Aktienmärkte in Ermangelung von Alternativen noch lange antreiben", sagt der Vermögensverwalter. (fp)