Der Handelskrieg zwischen den USA und China erreicht neue Dimensionen und schickte die Aktienmärkte jüngst auf Talfahrt. Manch ein Investor spielt deshalb derzeit mit dem Gedanken, das Depot zu bereinigen und sich auf einen entspannten Sommer fern von Kursschwankungen zu freuen. Eine solche Denkweise sei zwar verständlich, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Albrech & Cie. Vermögensverwaltung. Etwas anderes spreche jedoch stark dafür, investiert zu bleiben: der Präsidentschafts- respektive der Wiederwahlzyklus.

Kurz und knapp besagt er: Das dritte und vierte Jahr einer Präsidentschaft sind an der Börse im mehrjährigen Mittel das stärkste sowie das zweit- beziehungsweise drittstärkste Jahr im Wahlzyklus. Denn in dieser Phase arbeiten Präsidenten für gewöhnlich an ihrer Wiederwahl und unternehmen daher viel, um die Wirtschaft und die Unternehmensgewinne zu stimulieren – und das rechtfertigt wiederum höhere Aktienkurse. "Aktuell befinden wir uns im dritten Jahr von Trumps Amtszeit", sagt Albrech. Somit sieht der Anlageprofi aller Unkenrufen zum Trotz noch Luft nach oben. Schon einmal hatte Trump der Wall Street einen zuvor unvermuteten Kursaufschwung beschert, zu Beginn seiner ersten Amtsperiode.

Zehn Prozent Plus bis Dezember 2020
Dass das keine unrealistischen Erwartungen sind, zeigt der Blick in die Vergangenheit: Von 1949 bis 2012 hat der US-Aktienindex S&P 500 ohne Dividenden in Vorwahljahren im Mittel beachtliche 17,1 Prozent zugelegt. Die US-Technologiebörse Nasdaq brachte es seit ihrer Gründung 1971 in diesen Jahren sogar auf ein durchschnittliches Plus von 30,9 Prozent. Die Folgejahre, die Wahljahre also, bescherten Investoren im Schnitt dagegen Gewinne von nur 6,1 und 4,8 Prozent.

Mit Blick auf den Dezember 2020 bedeutet das Albrech zufolge: "Aus dieser zyklischen Perspektive sollte der S&P 500 bis dahin bei gut 3.100 Zählern notieren, die Nasdaq 100 bei 8.700 Punkten", so der Anlageprofi. Das entspräche einem Plus von 10 Prozent (S&P 500) und 20 Prozent für die Nasdaq. (fp)