Im Jahr 2018 hat man gesehen, was an den Aktienmärkten passiert, wenn die Zinsen steigen und die Notenbank Anlegern keine Beruhigungspillen verabreicht. Der Zehnjahreszins in den USA kletterte damals binnen kurzer Zeit von 1,6 auf 3,2 Prozent. In der Folge rutschten die Aktienkurse um mehr als 20 Prozent ab. Die Fed habe damals nicht vorausschauend kommuniziert, kritisiert Heiko Löschen, Vermögensverwalter bei GSP Asset Management in Münster. Seiner Einschätzung nach will die US-Notenbank diesen Fehler nicht wiederholen. "Ihre aktuelle Öffentlichkeitsarbeit ist auf maximale Sicherheit für alle Marktteilnehmer ausgerichtet", sagt er.

Die Notenbanken, nicht nur die Fed, diskutieren momentan sehr offen darüber, wann und in welcher Form sie die beispiellos lockere Geldpolitik wieder straffen könnten. "Dieses Verhalten ist aus meiner Sicht der größte Schutzmechanismus vor einem Crash", sagt Löschen. Denn die Börsen mögen keine Ungewissheit. "Die Marktteilnehmer werden darauf vorbereitet, dass sich etwas ändern wird. Somit werden Sorglosigkeit und negative Überraschungsmomente verhindert", erklärt der Vermögensprofi.

Krachen kann's immer
Ein Crash wie 2018 oder gar wie im Jahr 2013 – als der damalige Fed-Chef Ben Bernanke mit der Ankündigung, die Anleihekäufe der Notenbank reduzieren zu wollen, für regelrechte Panik am Markt sorgte – droht laut Löschen im aktuellen Umfeld nicht. Völlig ausgeschlossen ist es allerdings nie, dass es an den Börsen plötzlich rasant abwärts geht. "Kriegerische Akte, der Ausbruch einer noch gefährlicheren Pandemie oder Naturkatastrophen ungeahnten Ausmaßes können Verunsicherung und Panik erzeugen. Das könnte einen Börsencrash auslösen", sagt der Anlageexperte. Weil sich solche Ereignisse kaum vorhersehen lassen, sollten Investoren stets darauf achten, unterschiedliche Anlageklassen zu kombinieren. (fp)