Investmentstratege: Bank-Aktien trotzen den sinkenden Zinsen
Zuletzt hat die Rally der Bank-Aktien an Fahrt verloren. Quintets Co-Aktienchef Marc Decker sieht aber weiter gute Argumente für den Sektor, trotz sinkender Zinsen.
Banken gehörten 2025 zu den stärksten Sektoren an den Aktienmärkten. Europäische Institute legten in Euro um rund 76 Prozent zu, US-Banken kamen auf gut 32 Prozent, gerechnet in US-Dollar. 2026 hat sich das Bild bislang gedreht: Mit rund plus drei Prozent in Europa und etwa minus fünf Prozent in den USA rangiert der Sektor derzeit im Tabellenkeller. Marc Decker, Co-Aktienchef bei der Quintet Private Bank, setzt trotzdem auf Bank-Aktien, wie er in einem jüngst veröffentlichten Marktkommentar erläutert.
Nach mehreren Jahren außergewöhnlich hoher Zinsüberschüsse hat sich das Umfeld verändert und die Leitzinsen sind deutlich gesunken: "Entscheidend ist nun, ob Banken ihre Ertragskraft auch in einem moderateren Zinsumfeld behaupten können", so Decker. Und da ist er sowohl für US- als auch europäische Titel optimistisch.
Volumenwachstum und Puffer
Europäische Banken profitieren weiterhin von solidem Kreditwachstum. Zwar senkt die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen, was Margen unter Druck setzen könne, so der Quintet-Experte. "Höhere Kreditvolumina wirken jedoch stabilisierend auf den Zinsüberschuss", meint Decker. Viele Institute haben sich in den vergangenen Jahren zudem feste Renditen gesichert und verfügen damit über einen Ertragspuffer, der kurzfristige Zinsrückgänge abfedert. Ein weiterer Faktor ist die vergleichsweise langsame Weitergabe von Zinsänderungen in Europa. Der Aktienprofi sagt: "Das schont die Margen und trägt dazu bei, dass der Zinsüberschuss selbst in Zinssenkungsphasen vergleichsweise stabil bleibt."
In den USA reagieren Kredit- und Einlagenzinsen deutlich schneller auf geldpolitische Veränderungen. Sinkende Finanzierungskosten und anziehendes Kreditwachstum könnten diesen Effekt jedoch weitgehend ausgleichen, meint er. Zudem wachse der Markt für Konsumenten- und Kreditkartenkredite weiter – eine zentrale Ertragsquelle vieler US-Institute. Und: "Darüber hinaus könnten regulatorische Erleichterungen weiteres Kapital für Ausweitungen des Kreditvolumens freisetzen."
Attraktiv trotz Zinswende
Trotz sinkender Leitzinsen sprechen seiner Meinung nach mehrere Faktoren für weiterhin solide Zinsüberschüsse beiderseits des Atlantiks. Decker sagt: "Auch die Bewertungen erscheinen moderat. Der europäische Bankensektor wird derzeit mit dem 9,5-Fachen der für 2027 erwarteten Gewinne bewertet – eine Neubewertung, die auf ein verbessertes Ertragsprofil hindeutet." Hinzu kommen solide Kapitalquoten und attraktive Dividendenrenditen. Für ihn steht fest: "In diversifizierten Portfolios bleiben Bank-Titel daher aus unserer Sicht ein stabiler Baustein." (jh)















