Krypto sei eine Assetklasse, die nicht mehr weggehen werde, meint Guido Zimmermann, Senior Economist bei der LBBW. Investoren müssten deshalb die grundsätzliche Entscheidung treffen, ob sie in diesen Bereich investieren wollen oder nicht. Und falls ja, welchen Anteil eines Portfolios, das auf langfristige Vermögensakkumulation ausgerichtet ist, sie in Blockchain-basierte Digitalwährungen stecken möchten.

"Von den mittlerweile mehr als 53 Millionen digitalen Aktiva, die an internationalen Krypto-Börsen gehandelt werden, eignen sich für die meisten Investoren im Wesentlichen nur die beiden Schlachtrösser Bitcoin und Ether", schreibt Zimmermann in einer aktuellen Analyse. "Denn die allermeisten Krypto-Assets stiften keinerlei Nutzen." Sowohl Bitcoin als auch Ether durchliefen aber gerade eine nicht ganz einfache Zeit.

"Eher als (digitales) Sammlerstück einzuordnen"
"Grundsätzlich empfehlen wir Investoren, dem Grundsatz von Warren Buffett zu folgen, demzufolge man nur in Dinge investieren sollte, die man versteht", mahnt der Ökonom. Sei dieses Verständnis in Bezug auf einzelne Krypto-Assets nicht vorhanden, sollte man von einem Investment absehen – "wie schön auch immer die Narrative der Krypto-Anbieter pro Krypto klingen", so Zimmermann.

Wer Krypto mit seinen jeweiligen möglichen Vorteilen sowie immensen Risiken verstanden habe und das zusätzliche Risiko in Kauf nehmen wolle, dem sei es unbenommen, in Bitcoin & Co. zu investieren, schreibt der Ökonom. Aus Sicht der klassischen Portfoliostrukturierung sei jedoch lediglich ein Anteil von zwei bis drei Prozent zu empfehlen. Andernfalls sei der Risikobeitrag dieser Assets zum Gesamtportfolio zu groß. Das bedeute, dass Bitcoin einen risikobewussten Anleger nicht reich mache, das Portfolio bei einem Preisverfall aber auch nicht gesprengt werde.

"Krypto stellt keinen zwingenden Teil eines Portfolios dar. Es ist aus wissenschaftlicher Sicht eher als (digitales) Sammlerstück einzuordnen – vergleichbar mit anderen 'Passion Assets' wie Oldtimern, Gemälden oder Ähnlichem. Der Wert liegt im Auge des Betrachters", so der Ökonom. "Wie bei Gold ergeben sich Gewinne für den Investor nur dadurch, dass andere Bitcoin zu einem höheren Preis kaufen als man selbst." Im Gegensatz zu Stablecoins werde Bitcoin nicht als internationales Zahlungsverkehrsmedium eingesetzt, und daran dürfte sich auch künftig nichts ändern.

Lieber über Aktien investieren
"Diese Einschätzung bedeutet nicht, dass Krypto per se Unsinn ist", stellt Zimmermann klar. "Ganz im Gegenteil: Krypto beziehungsweise die zugrunde liegende Blockchain-Technologie stellt die Zukunft des Finanzsektors dar." Für Anleger, die auf diese Zukunft des Finanzsektors wetten wollen, bieten sich seiner Einschätzung nach Krypto-Aktien an – also Papiere der Anbieter dieser künftigen Finanzmarktinfrastruktur.

Diese Unternehmen seien zumeist an der Nasdaq gelistet, veröffentlichten eine Bilanz sowie eine Gewinn- und Verlustrechnung und seien damit transparent, das Aktieninstrument sei wohlbekannt, und die Titel könnten sich in das bestehende Aktiendepot einfügen. Man müsse sich bei einem Engagement nicht über kryptospezifische Cyber-Sicherheitsprobleme Gedanken machen. Gleichzeitig sei das Wohl und Wehe der Anbieter und von deren Aktien hoch korreliert mit dem Auf und Ab von Bitcoin & Co. "Dementsprechend investieren auch die großen Pensions- und Staatsfonds Kanadas und Norwegens nur indirekt in Bitcoin – nämlich über Krypto-Aktien", so Zimmermann. (fp)