Börsenprofi: Value und Dividenden starten Comeback
Die Value-Sektoren und dividendenstarke Aktien rücken wieder stärker in den Fokus. Tilmann Galler von J.P. Morgan AM sieht gute Gründe für eine Höhergewichtung.
Veränderte Makrobedingungen und Sorgen um den überbordenden Technologieboom haben nicht nur zu Volatilität an den Aktienmärkten geführt, sondern nach Meinung von Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, zudem eine Sektorrotation in Gang gesetzt. "Interessanterweise scheint das Value-Segment, also Aktien mit niedrigeren Bewertungen, ebenso wie Titel mit hoher Dividendenrendite, weniger stark von den Risiken betroffen zu sein", so Galler. Vieles spreche dafür, dass dividendenstarke und Value-Aktien ein Comeback starten.
Markt reagiert auf Investitionsflut
Als Treiber identifiziert Galler gleich mehrere zusammenwirkende Kräfte: wachsende Skepsis am Markt gegenüber der Rentabilität der gewaltigen KI-Investitionen, makroökonomische und geopolitische Trends sowie die Bewertungsarithmetik in einem Umfeld höherer Zinsen. Ein wichtiger Faktor für die Rotation sei die Technologie: "Die größten Aktien sind nicht mehr die besten", sagt Galler. Trotz hervorragenden Gewinnwachstums steige die Skepsis der Investoren, dass die gewaltigen Summen der bereits getätigten und geplanten KI-Investitionen sich zukünftig auch rentieren werden, stellt Galler fest.
Doch nicht nur von der wachsenden Skepsis gegenüber Technologie können aus Sicht von Galler Value- und Dividendentitel profitieren, sondern auch von makroökonomischen und geopolitischen Trends. Die expansive Fiskalpolitik in den USA und Europa schaffe zusätzliche Wachstumsimpulse auch außerhalb der KI-Investitionen. Neben Investitionen in Infrastruktur dürften laut Galler die weltweiten Staatsausgaben für Verteidigung einen bedeutenden Anstieg verzeichnen. Laufende Investitionsausgaben für Energieerzeugung und KI-Infrastruktur könnten so zu steigender Nachfrage und Einnahmen für Value-Sektoren wie Industrie, Grundstoffe und Versorger führen. "Von den anhaltenden Spannungen im Nahen Osten und steigendem Ölpreis profitiert ein weiterer klassischer Value-Sektor: Energie", stellt Galler fest.
Value-Sektoren rücken in den Fokus
Gerade auch aus Perspektive der Risikostreuung spricht nach Gallers Ansicht einiges für ein größeres Investment in Value- und Dividendenaktien. Der Technologieboom habe zu erheblicher Marktkonzentration im Wachstumssegment an den globalen Aktienmärkten geführt: Per Ende März 2026 lag das Indexgewicht der zehn größten Titel beim MSCI World Growth bei 48 Prozent – beim MSCI World Value waren es nur 17 Prozent und beim High Dividend 21 Prozent. "Sollte der Technologieboom platzen, dürfte sich das Dividenden- und Value-Segment deutlich stabiler entwickeln als Wachstumsaktien", fasst Galler zusammen. (jh)




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