Gold und Ostern? Beides passt besser zusammen, als man auf den ersten Blick meinen mag. Mehr noch: Würde der Osterhase existieren – er wäre mit großer Wahrscheinlichkeit ein Gold-Investor, ist Adrian Ash, Director of Research bei Bullionvault überzeugt. Der Anlageprofi nennt dafür mehrere Gründe: Erstens diene Gold der Diversifikation des Portfolios – "und wer sollte besser wissen, dass man nicht alle Eier in einen Korb legt, als derjenige, der diese Eier bringt?". Zweitens sei der Goldpreis lange Zeit ausgerechnet um Ostern herum zuverlässig gestiegen.

Das zeigt jedenfalls eine Analyse von Ash, in der er die Kursentwicklung der letzten beiden Jahrzehnte betrachtet hat. In den zehn Jahren bis 2011 hätte die Strategie – Gründonnerstag am Nachmittag Gold kaufen, Dienstagvormittags verkaufen – für Euro-Anleger acht Mal funktioniert und im Schnitt ein Prozent vor Kosten gebracht. In den vergangenen zehn Jahren funktionierte sie aber nur noch vier Mal und brachte im Schnitt 0,2 Prozent – kein lohnenswerter Handel.

Nachfrage in Asien beeinflusst den Goldpreis
Daraus spaßeshalber zu schließen, dass der Osterhase wohl den Glauben an Gold verloren und seine Asset-Allokation geändert hat, greift aber zu kurz. Ash hält drei andere Erklärungen für realistischer. Erstens erlebte Gold in der ersten Dekade des Jahrhunderts einen starken Bullenmarkt, der 2011 endete. Erst 2018 drehten die Preise wieder entscheidend nach oben. Zweitens haben zwar die westlichen Märkte an Karfreitag und Ostermontag geschlossen – Asien bleibt aber geöffnet. "Was mit den Großhandelspreisen in den riesigen Verbrauchernationen China und Indien passiert, wirkt sich natürlich auf die Preise aus, die die Händler in Frankfurt und London vorfinden, wenn sie am darauffolgenden Dienstag an ihre Schreibtische zurückkehren", sagt Ash. Und auch hier war das Geschehen in den Jahren 2001 bis 2010 durchweg bullisher als in den Jahren 2011 bis 2020.

Drittens wurde das hinduistische Frühlingsfest Akshaya Tritiya seit 2005 als "glücksverheißende" Zeit für den Goldkauf vermarktet, was die Preise am Weltmarkt im März und April zusätzlich unter Druck setzte. Ab dem Jahr 2013 verhängte die indische Regierung allerdings strenge und kostspielige Regeln für den Goldimport, um den Abfluss von Devisen zu reduzieren, die für die Bezahlung des Metalls benötigt werden. "So wurde dieser saisonale Preisanstieg reduziert, ebenso wie der Anstieg, der zuvor vor dem herbstlichen Lichterfest Diwali zu beobachten war", erklärt Ash. (fp)