Nach ihrem Sieg bei der Europawahl hat die populistische Lega-Partei in Italien eine weitere Bombe platzen lassen: Sie will eine Parallelwährung zum Euro einführen, sogenannte Mini-Bots (italienisch: Buono ordinario del Tesoro). Dabei handelt es sich um Staatstitel mit kleinen Stückelungen, die Geldscheinen zwischen fünf und 100 Euro ähneln. Sollte Italien aus der Währungsgeeinschaft ausscheren, könnten die Papiere als Ersatzgeld dienen, sagte Lega-Sprecher Claudio Borghi. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Borghi hatte bereits Entwürfe der Mini-Bots vorgestellt. "Wir haben damit Instrumente, um die anderen Europäer unter Druck zu setzen", sagte dazu der Staatssekretär des italienischen Finanzministeriums, Massimo Bitonci, relativ unverblümt. Das Lega-Mitglied will Brüssel so zu Zugeständnissen zwingen.

Italienische Unternehmer zeigen sich indes mehr als skeptisch darüber, dass der Staat seine Lieferantenschulden per Schattenwährung zahlen will und kann. Der parteilose Finanzminister Giovanni Tria ließ durchblicken, dass derartige Papiere bisher nicht geplant seien – ihre Nutzung sei demnach illegal.

Schattenwährung ist kein unrealistisches Szenario
Deutsche Wirtschaftsexperten sprechen von einem "durchsichtigen Versuch, die Verschuldungskapazität zu erhöhen" und von einer "gezielten Provokation". Dennoch sei die Umsetzung möglich, warnt Ökonom Jürgen von Hage. Es habe schon einmal funktioniert: In Kalifornien hatte die Regierung wegen Haushaltsproblemen Gehälter im öffentlichen Dienst mit Schuldscheinen bezahlt. (fp)