Die italienische Regierung hat angekündigt, ein Haushaltsdefizit von 2,4 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) einzuplanen. Investmentprofis schütteln über diese Pläne den Kopf. "Offensichtlich will die populistische Koalition in Italien mit dieser Zahl für Wirbel in Europa sorgen, um Verhandlungen herbeizuführen", urteilt Olivier de Berranger, CIO bei La Financière de l’Echiquier (LFDE). Seiner Einschätzung nach wird die Europäische Kommission tatsächlich verhandeln müssen.

Aus ökonomischer Sicht ist es eigentlich nicht so wichtig, ob das Verhältnis des Defizits zum BIP 1,9 oder 2,4 Prozent beträgt. "Sorge bereitet eher die Ursache des höheren Defizits", sagt de Berranger. Es speist sich nämlich vor allem aus Ausgaben, die den Konsum stützen sollen. Eine Lösung für Italiens Hauptproblem, das schwache potenzielle Wachstum, ist das nicht.

Turbulenzen bei italienischen Staatsanleihen
Sollte Italien seinen aktuellen Weg fortsetzen, dürfte das Rating des Landes wackeln. Die Turbulenzen bei den zuletzt extrem volatilen Italien-Bonds würde das nicht unbedingt verstärken, sagt Igor de Maack, Fondsmanager bei DNCA Investments. "Die Zinsen am langen Ende sind bereits auf Niveaus nahe der Interventionsschwelle gesprungen", erklärt er. Sollte indes nicht nur eine große Ratingagentur dem Land den Investment-Grade-Status aberkennen, sondern drei oder vier, wäre das ein Katastrophenszenario, so de Maack. (fp)