Angesagte Technologieaktien aus zuletzt schnell gewachsenen Geschäftsfeldern haben inzwischen Bewertungen erreicht, wie es sie seit der Technologieblase um die Jahrtausendwende nicht mehr gegeben hat. Davor warnen Anlageexperten des US-Vermögensverwalters Janus Capital. Fondsmanager Brad Slingerlend und Technologieaktien-Analyst Brinton Jones mahnen daher zu einer vorsichtigen Strategie bei der Geldanlage in dem Sektor an. Statt auf besonders gehypte Aktien zu setzen, sei es sinnvoller, sich Titeln zu widmen, die derzeit nicht so sehr im Fokus der Investoren stünden, aber zugleich solide und ertragreiche Geschäftsmodelle böten – und von einem möglichen Crash eher verschont blieben. "Wir gehen davon aus, dass die Blase platzen wird", sagt Slingerlend: "Es könnte morgen passieren. Es könnte bereits vor einem Monat begonnen haben. Oder es könnte noch drei Jahre dauern." Aber wenn es so weit ist, dann sei es gut, ein Portfolio zu besitzen, das sich als möglichst widerstandsfähig erweise. 

Der Markt ist zweigeteilt
Dazu biete der Markt derzeit durchaus Gelegenheiten – denn es sei inzwischen zu erheblichen Bewertungsdifferenzen gekommen zwischen den Unternehmen, die Investoren unbedingt im Portfolio haben wollten‚ weil sie von Trends wie Cloud-Computing, Smartphones, Big-Data oder Analytics profitieren, und solchen, die als "non-haves" von vielen Anlegern liegengelassen würden – obgleich sie teilweise seit Jahrzehnten gute Geschäfte machten und auch in Zukunft die Aussicht auf stabile und wachsende Erträge böten. Beispiel Oracle: Der Datenbankanbieter stehe momentan in der Investorengunst auf der Verlierer-Seite, sei aber ein hervorragend geführte Unternehmen mit hoher Substanz und zwar moderatem, aber stabilem Wachstum. 

Demgegenüber steigen die Risiken, dass einige der momentan favorisierten Technologieaktien die Wachstumsvorstellungen der Anleger enttäuschten, die sich in den hohen Kursen widerspiegelten. "Eine Firma kann stark wachsen – beispielweise mit 150 Prozent pro Jahr – aber dennoch für ein Investment wenig attraktiv sein, wenn sie dieses Wachstumstempo nur fünf Jahre halten kann", sagt Janus-Analyst Brinton Johns. Zu prognostizieren, wer hier zu den Gewinnern gehöre, sei extrem schwierig. "Wir konzentrieren uns daher auf Unternehmen, die für sich und ihre Kunden eine Win-Win-Situation kreieren – und das in einem möglichst breiten Markt, wie das zum Beispiel auf die Anbieter von Simulationssoftware zutrifft." (mb)