Wenn Indizes neue Rekordwerte erreichen, sind die Meinungen von Marktbeobachtern oft zweigeteilt. Die einen sehen darin erst den Anfang, die anderen warnen vor einer Überhitzung. Beim deutschen Einkaufsmanagerindex gibt allein die Optik Anlass zur Sorge – zumindest, wenn neben der Faktenlage noch ein wenig Aberglaube mithineinspielt: Am 1. April markierte der Index mit 66,6 Punkten ein neues Rekordhoch. Die "666" gilt unter Okkultisten gemeinhin als "satanische Ziffernfolge" und wird oft als Zahl des Tieres oder Zahl des Antichristen bezeichnet.

Allein: Für den Anstieg gibt es wenig furchteinflößende Gründe, die zudem auch noch ganz und gar irdischer Natur sind, ist Oliver Blackbourn, Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors, überzeugt. So werde das Rekordhoch unterstützt durch den stärksten Anstieg der Auftragseingänge und der Produktion seit Beginn der Datenerhebung. "Das verarbeitende Gewerbe in Europa erholt sich deutlich, während der Dienstleistungssektor hinterherhinkt", sagt Blackbourn. 

Restriktionen dämpfen Performance 
Dessen Entwicklung hängt weiterhin stark von Fortschritten an der Gesundheitsfront und den Impfraten ab. Und da ist die Lage unverändert schwierig. "Die Impfraten in den großen europäischen Ländern verharren im mittleren Zehnerbereich", erklärt der Anlageprofi. Im Gegensatz dazu liege der Prozentsatz der Bevölkerung, der mindestens eine Impfung erhalten hat, in Großbritannien bei mehr als 50 Prozent und in den USA bei fast 45 Prozent. Erneute Restriktionen, um einer weiteren Infektionswelle entgegenzuwirken, dürften die Lage in Europa kaum verbessern. (fp)