Die Corona-Krise hat die Staatsverschuldung in Europa extrem in die Höhe getrieben. Weil die Europäische Zentralbank (EZB) das Tempo ihrer Anleihekäufe beibehalten wird, dürften die europäischen Länder weiterhin massiv Kredite bei der Notenbank aufnehmen: Weitere zwei Billionen US-Dollar bis zum Jahr 2025, schätzt Bethany Payne, Anleihefondsmanagerin bei Janus Henderson Investors. Jeder Bürger stünde dann umgerechnet mit rund 5.500 US-Dollar bei der EZB in der Kreide. Payne sieht das massive Schuldenwachstum zwiegespalten: Es ist zwar nötig, um die Wirtschaft in der Viruskrise zu stützen – wird aber aller Voraussicht nach nicht genügen, um das Wachstum anzukurbeln.

Wachstum kann man nicht kaufen, auch nicht auf Pump. Die Verschuldung in Europa ist jedenfalls seit dem Jahr 1995 doppelt so stark gestiegen wie der Bruttoinlandsprodukt. Solange all das frische Geld nicht zu Produktivitätssteigerungen führt, wird sich diese Lücke auch nicht schließen, sagt die Janus-Henderson-Managerin.

Der Funke fehlt
Nach Berechnungen des Fondsanbieters liegt der Anteil der Notenbank an der gesamten europäischen Staatsverschuldung inzwischen bei satten 29 Prozent. "Zwar verschaffen die Wertpapierkäufe der EZB Europa Zeit. Doch angesichts der verzögerten Impfstoffeinführungen und einer geschwächten, auf den Tourismus ausgerichteten Wirtschaft ist es von größter Bedeutung, die Fiskalpolitik richtig zu gestalten", mahnt Payne. "Die europäische Wirtschaft kann nicht wachsen, ohne dass die einzelnen Länder anfangen, Geld auszugeben. Dabei kommt es insbesondere auf Deutschland an."

Die hohe und weiter steigende Staatsverschuldung ist nicht Europas größte Herausforderung, betont die Fondsmanagerin. "Den Wachstumsfunken zu finden und den Konsum anzukurbeln ist das drängendste Problem der Regierungen." (fp)