Die Corona-Pandemie sorgte nicht, wie man erwarten könnte, für eine private Vermögensvernichtung. Vielmehr stieg der Wert des Gesamtbesitzes global enorm – nämlich um 7,4 Prozent. Das zeigt der zwölfte Global Wealth Report des Credit Suisse Research Institute.

Eines der überraschendsten Details war für die Studienautoren, dass teils in Ländern mit sehr starken BIP-Verlusten die Bürger am Ende des Jahres die höchsten Vermögenszuwächse hatten. In Belgien, Kanada, Singapur und Großbritannien etwa gab es sehr hohe durchschnittliche BIP-Verluste von 7,1 Prozent, während es umgekehrt ungewöhnlich hohe Vermögenszuwächse von durchschnittlich 7,7 Prozent gab. Deutschland rangiert demnach weltweit auf Platz sieben beim Vermögenszuwachs – jeder Erwachsene war hierzulande am Jahresende 2020 durchschnittlich um 40.450 Dollar reicher als zu Jahresbeginn.

Aktienbesitzer profitierten am meisten
Im Detail werden aber global sehr große Unterschiede beim Zuwachs sichtbar: Dank der starken Performance an den Börsen nach dem Einbruch im März konnten vor allem Personen mit Aktienbesitz profitieren. Auch die Immobilienpreise wuchsen kräftig. Das führte laut den Credit Suisse-Experten dazu, dass der Reichtum Vermögender Personen überproportional wuchs. Weltweit schafften 5,2 Millionen Personen den Sprung in die Klasse der Dollar Millionäre (HNWI), von denen es nun weltweit 56,1 Millionen gibt. Erstmals sind damit mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung Dollarmillionäre (1,1 Prozent).

Besonders stark, nämlich fast um ein Viertel, wuchs die Gruppe der sehr vermögenden Personen ab 50 Millionen Dollar (UHNWIs). Plus 24 Prozent bedeuten die höchste Zuwachsrate seit fast einem Jahrzehnt in dieser Gruppe. Zusammengefasst haben laut den Credit Suisse-Experten die Vermögensunterschiede zwischen Erwachsenen im Jahr 2020 erneut zugenommen. Bürger mit höherem Anteil an Aktien, insbesondere "Personen im späten mittleren Alter, Männer und allgemein wohlhabendere Gruppen, schnitten tendenziell besser ab", heißt es.

Ohne Vermögenspreise im Minus
Auch mahnen die Studienautoren, dass Personen, die stärker vom Einkommen abhängig sind und sich weniger auf bestehende Vermögen verlassen können, von der Entwicklung nicht profitieren. "Lässt man den Anstieg der Vermögenspreise beiseite, dann könnte das weltweite Vermögen privater Haushalte durchaus gesunken sein. In den unteren Vermögensbereichen, in denen das Finanzvermögen weniger ausgeprägt ist, stagnierte das Vermögen in der Regel oder war in vielen Fällen sogar rückläufig", schreibt Anthony Shorrocks, Ökonom und Verfasser des Berichts.

So geht es weiter
Das globale Vermögen wird Schätzungen zufolge bis 2025 um 39 Prozent zunehmen. Allein 42 Prozent dieses Anstiegs soll auf Länder mit geringen bis mittleren Einkommen entfallen, obwohl sie nur 33 Prozent des aktuellen Vermögens besitzen. Die Zahl der Millionäre wird in den kommenden fünf Jahren markant auf fast 84 Millionen steigen, bei den UHNWIs wird ein Zuwachs auf 344.000 erwartet.

Durchschnittlich besaß jeder erwachsene Deutsche im Jahr 2020 rund 268.680 Dollar (Platz 16 im globalen Vermögensranking). 4,3 Prozent der Deutschen oder fast drei Millionen Personen sind Dollarmillionäre (2000 waren das nur ein Prozent der Bevölkerung). Im Jahr 2025 sollen 4,2 Millionen Deutsche in die Gruppe der Millionäre fallen. (eml)