Jeffrey Gundlach, Gründer und Vorstandschef von Doubleline Capital, warnt im Exklusiv-Interview mit FONDS professionell vor großen Verwerfungen an den Finanzmärkten. Schon im Juli habe ihn die Gesamtkonstellation an den Märkten zu der Empfehlung veranlasst, erhöhte Vorsicht bei Anlageentscheidungen walten zu lassen. "In vielen Medien wurde das auf die einfache Formel 'Verkaufen Sie alles' verkürzt. Aber dazu stehe ich nach wie vor. Deshalb lautet mein Rat an Anleger, die ihr Vermögen langfristig erhalten wollen, auch derzeit noch: In Deckung gehen!"

Gundlach gründete Doubleline Capital vor sieben Jahren. Inzwischen verwaltet die Gesellschaft mehr als 100 Milliarden US-Dollar und gilt damit als das am schnellsten wachsende Unternehmen in der Geschichte der Fondsindustrie.

Mit Minuszinsen den Konsum ankurbeln? "Lächerlich!"
Sorgen bereitet Gundlach unter anderem die weit verbreitete Annahme, die Zinsen würden sehr lange rekordniedrig bleiben oder sogar weiter fallen. "Es gibt Marktteilnehmer, die behaupten, dass die Zinsen nie mehr werden steigen können. Das ist kompletter Unsinn", sagt er. "Die Bondpreise werden nicht mehr durch ihren echten intrinsischen Wert bestimmt, sondern folgen eher so etwas wie einer 'Greater Fool'-Theorie, nach der die Investoren nur deshalb kaufen, weil sie annehmen, einen noch Dümmeren finden zu können, der ihnen ihre Papiere wieder zu einem höheren Preis abkauft." Er stelle sich die Frage, "wann Anleger, die heute noch Yen- oder Euro-Anleihen mit einer negativen Verzinsung kaufen, endlich aus ihrem Koma aufwachen werden".

Die Idee, mit negativen Zinsen den Konsum ankurbeln zu können, bezeichnet Gundlach als "geradezu lächerlich". "Man hat viel zu wenig bedacht, dass die Menschen gerade wegen einer nur geringen Verzinsung noch viel mehr sparen würden, allein schon weil sie Angst um ihre womöglich nicht mehr ausreichende Altersvorsorge haben", so der Fondsmanager. "Gleichzeitig wurden damit die Banken geradezu lahmgelegt. Wenn die Zinsen negativ sind, verlieren Banken Geld, jeden Tag."

Gebraucht werden "wirklich produktive Jobs"
Auch von den zuletzt wieder verstärkt diskutierten Konjunkturpaketen hält er wenig. "Die Kehrseite ist, dass die Konjunktur damit nicht wirklich nachhaltig zu stimulieren sein wird, aus einem einfachen Grund: Wenn jemand heute Sozialhilfe bezieht und man gibt ihm stattdessen einen Job, bei dem er ein Loch gräbt und es hinterher wieder zuschüttet, dann gibt man als Staat im Grunde das gleiche Geld aus, ohne dass sich wirklich viel verändert."

Ohne Zweifel müssten baufällige Brücken instandgesetzt und beschädigte Bauwerke repariert werden. "Aber einen Flughafen zu renovieren, der ohnedies schon heute funktioniert, verändert nichts wirklich für einen Geschäftsreisenden, der von den USA nach Deutschland fliegen möchte." Hilfreich seien nur "wirklich produktive Jobs".

"Ein Management des Abstiegs, des Niedergangs"
Gundlach rechnet damit, dass die erheblichen Probleme der Weltwirtschaft in rund vier Jahren offensichtlich werden. "Dann werden die Menschen nämlich begreifen, dass man nicht mehr so einfach über eine noch weitergehende Ausweitung der Defizite sprechen kann. Dann wird es mit der Ruhe vorbei sein. 2020 werden die gesellschaftlichen Probleme einer Nation wie den USA – sprich die soziale Absicherung, die Krankenversicherung und so weiter – erst richtig sichtbar hervortreten."

Spätestens dann müsste über eine "grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systeme" entschieden werden. Seit 20 Jahren habe sich in dieser Hinsicht nicht wirklich etwas getan. "Es ist nur ein Durchwurschteln, ein Management des Abstiegs, des Niedergangs."

Gundlach zufolge werden immer mehr Menschen diesen Niedergang schmerzlich zu spüren bekommen. "Man kann die Reaktionen darauf doch schon im laufenden Wahlzyklus deutlich erkennen. Das ist doch der eigentliche Grund, warum jemand wie Donald Trump, der komplett außerhalb des Mainstreams liegt, überhaupt zum Kandidaten werden konnte, obwohl das Establishment alles unternommen hat, um seine Kandidatur zu verhindern." (hh/bm)


Das vollständige, fünfseitige Interview mit Jeffrey Gundlach lesen Sie in Heftausgabe 3/2016 von FONDS professionell, die soeben erschienen ist. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin lesen.