Im Vergleich zu früheren Jahren falle es in der aktuellen Verfassung der Börsen besonders schwer, eine halbwegs gesicherte Prognose für 2019 abzugeben, eröffnete Jens Ehrhardt seinen Ausblick aufs kommende Jahr vor Journalisten in Frankfurt. Die jüngste Entwicklung habe einen Vorgeschmack davon gegeben, wie stark die Entwicklung an den internationalen Börsen, allen voran der US-Börse, von Entscheidungen der Politik abhängen würden, so Ehrhardt. Denn auch wenn er Anfang 2018 von einer vergleichsweise hohen Volatilität ausgegangen sei, habe man doch nicht damit rechnen können, dass der Dax-Index heute bei einem Minus von 20 Prozent notieren würde.
 
Im kommenden Jahr werde sehr viel vom Verhalten der US-Notenbank abhängen. "Wenn die Fed durch weitere Zinserhöhungen und gleichzeitig durch das sogenannte Quantitative Tightening, also den Verkauf von Staatsanleihe-Beständen, zu stark auf die Bremse tritt, dann wird sich das negativ auf die Kursentwicklung an der US-Börse auswirken", so Ehrhardt. Dann müsse man für die US-Börse unter Umständen mit einem Minus von 20 Prozent rechnen. Weil das auch den Verantwortlichen in Politik und Notenbank klar sei, gehe er nicht davon aus, dass es zu den von vielen Marktteilnehmern erwarteten vier weiteren Zinsschritten in 2019 kommen werde.

Spardiktat lockern
Europa brauche angesichts der aktuellen Situation vor allem eines: fiskalpolitische Stimulierung statt einem unbedingten Festhalten am Stabilitäts- und Wachstumspakt und einer "schwarzen Null" bei der Verschuldung. Nur so lasse sich die Konjunktur in Europa stützen. "Wenn die Politik nicht aufpasst, haben wir sonst demnächst überall soziale Probleme wie in Frankreich, mehr extreme Parteien und mehr Demonstrationen auf den Straßen, was sich dann eben auch entsprechend negativ auf die Wirtschaftsentwicklung auswirken würde", so Ehrhardt.

Die wesentlichen Aussagen und Prognosen von Jens Ehrhardt in Bezug auf die Börsenentwicklung im kommenden Jahr finden Sie in unserer Fotostrecke oben. (hh)