US-Aktien außerhalb der großen Technologiekonzerne stehen Morgan-Stanley-Strategen zufolge vor einer starken Berichtssaison. Das dürfte die Aktienrally auf eine breitere Basis stellen. Das Team um Michael Wilson erklärte, der Medianwert der im S&P 1500 Composite Index enthaltenen Unternehmen erreiche ein Gewinnwachstum je Aktie von mehr als zehn Prozent. Das sei die beste Entwicklung seit der Erholung nach der Corona-Pandemie.

Zudem hoben Analysten ihre Gewinnschätzungen für die Sektoren zyklischer Konsum und Transport weiter an. Beide Bereiche seien eng mit dem Wirtschaftswachstum verbunden, erklärten die Strategen. "Wir erwarten, dass sich die Verbreiterung fortsetzt, getragen von der Widerstandsfähigkeit der Gewinne bei den Medianaktien", schrieb Wilson in einer Mitteilung.

Hohe Erwartungen an die Berichtssaison
Die Berichtssaison für das zweite Quartal beginnt am Dienstag (14.7.) mit den Ergebnissen der großen Banken. Analysten erwarten für die Unternehmen im S&P 500 laut von "Bloomberg Intelligence" zusammengestellten Daten einen Gewinnsprung von 23 Prozent. Das wäre einer der besten Werte überhaupt außerhalb von Erholungsphasen nach schweren Rezessionen.

Damit liegt die Messlatte für Aktienindizes hoch, die nahe ihren Rekordständen gehandelt werden. Der Fokus dürfte erneut auf Technologiewerten liegen, die Hinweise auf die Nachfrage nach künstlicher Intelligenz liefern sollen. Zudem geht es darum, ob der Ausblick robust genug ist, um die hohen Bewertungen im Halbleitersektor zu stützen.

Anleger warten außerdem auf Aussagen der großen Investoren in KI-Infrastruktur, der sogenannten Hyperscaler. Die Gruppe hat an der diesjährigen Rally im S&P 500 weitgehend nicht teilgenommen, weil es Sorgen gibt, dass sich die hohen Investitionsausgaben nicht auszahlen könnten. Tatsächlich entwickelt sich der gleichgewichtete S&P-500-Index, der den Einfluss der Tech-Schwergewichte verringert, erstmals seit 2022 besser als der nach Marktkapitalisierung gewichtete Index.

RBC bleibt für Technologiewerte optimistisch
Einige Marktteilnehmer verweisen dennoch auf die Stärke der Gewinne im Technologiesektor. RBC-Capital-Markets-Strategin Lori Calvasina stufte den Sektor auf "Übergewichten" hoch. Sie verwies auf deutliche Aufwärtsrevisionen sowohl bei den Umsatz- als auch bei den Gewinnschätzungen sowie auf eine Wiederaufnahme der Mittelzuflüsse.

"Die Bewertungen im Technologiesektor sind zugegebenermaßen nicht niedrig. In unserer jüngsten Aktualisierung liegt der Sektor auf Basis des medianen absoluten und relativen Kurs-Gewinn-Verhältnisses aber nur leicht über dem langfristigen Durchschnitt", schrieb Calvasina in einer Mitteilung. (mb/Bloomberg)