Der demografische Wandel führt zu einer Wende im globalen Sparverhalten und wirkt sich letztlich auf die langfristige Zinsentwicklung und auf die Inflation aus, sagen Experten von J.P. Morgan Asset Management. Als Folge der älter werdenden Bevölkerung dürfte das Zinsniveau sinken, zeigt eine Untersuchung des Investmenthauses. Auf der anderen Seite könnte ein Umschwung im Sparverhalten zu steigenden Realzinsen führen. "Die Entwicklung der Zinsen ist aufgrund der Demografie unterschiedlichen Kräften ausgesetzt. Das wird künftig für Unsicherheit sorgen", sagt Christoph Bergweiler, Leiter von J.P. Morgan AM in Deutschland und Österreich.

In jedem der kommenden Jahrzehnte wird der Anteil der Rentner an der Gesamtbevölkerung um etwa zehn Prozentpunkte steigen. Die globale Wirtschaft muss also mit weniger Arbeitskräften und sinkendem Konsum zurechtkommen. In der Folge dürften das Wirtschaftswachstum und das Zinsniveau sinken.

Auf der anderen Seite legen Rentner weniger Geld aufs Sparbuch als Berufstätige. Dadurch wird rund um den Globus die Summe des gesparten Kapitals sinken. Dieser Effekt wird die Realzinsen um 25 bis 50 Basispunkte steigen lassen, prognostiziert Bergweiler.

Positive Überraschungen sind doch noch drin
Die Wahrscheinlichkeit sinkender Zinsen ist etwas höher als die Wahrscheinlichkeit steigender Zinsen. "Trotzdem bleibt es eine unsichere Zeit, und das Zerren der gegensätzlich wirkenden Effekte wird Folgen für die Märkte haben", sagt Bergweiler. Immerhin: Andere Faktoren wie neue technologische Entwicklungen und damit einhergehende Produktivitätssteigerungen könnten beim Konjunkturausblick in Zukunft für positive Überraschungen sorgen. (fp)