In ihrem Ausblick für das zweite Halbjahr rechnen die Strategen der Fondsgesellschaft J.P. Morgan Asset Management damit, dass Zentralbanken und Regierungen durch umsichtiges Handeln einen heftigen Konjunkturabschwung vermeiden können. Entsprechend erwarten die Experten um die Chefstrategin für Europa, Karen Ward, keine weiteren großen Kursverluste an den Aktienmärkten. "Da die wichtigsten Märkte bereits zweistellige Rückgänge durchlaufen haben, weist unser zentrales Szenario nicht auf ein signifikantes weiteres Abwärtsrisiko für Risikoanlagen hin", schreibt das Analystenteam.

Gleichwohl betonen die Strategen, dass viele Unwägbarkeiten lauern. So sei die Frage, ob Russlands Präsident Putin Vergeltungsmaßnahmen wegen des Embargos auf russisches Öl ergreift, ob Chinas Präsident Xi die Null-Covid-Politik aufgibt, oder ob Zentralbanken und Politiker Wachstum gegenüber der Inflation Priorität einräumen. "Weil es so viele Variablen gibt, ist ein gewisses Maß an Demut bei der Prognose des wirtschaftlichen Ausblicks ratsam", schreibt das Team von Ward.

Kaum Zufluchtsorte bei Stagflation
So rechnen die Analysten von J.P. Morgan AM damit, dass die Gewinne der Unternehmen in den Industrieländern 2022 weiter wachsen werden – wenngleich nicht so stark wie derzeit noch erwartet. Die bereits erlittenen Kursverluste bei Aktien spiegeln einen moderaten Gewinnrückgang wider. Bei Aktien erkennen die Strategen zudem weiterhin einen Vorteil von Substanztiteln gegenüber Wachstumswerten.

Auch bei Staatsanleihen sehen die Experten angesichts der Kursverluste ein Niveau erreicht, auf dem das "Gewinn- und Verlustpotenzial nun besser ausgeglichen" sein dürfte. "Darüber hinaus bieten sie in den extremeren Negativszenarien eine gewisse Portfoliodiversifikation, solange die schwächere Aktivität mit nachlassendem Inflationsdruck zusammenfällt", argumentieren die Autoren. Für den Fall einer Stagflation gibt es nach Ansicht der Volkswirte nur wenige Zufluchtsorte. Lediglich Immobilien und Infrastruktur böten hier einigermaßen Schutz. (ert)