Die Wahlen in Frankreich und in den Niederlanden haben für große Unruhe gesorgt. Nachdem alle Ergebnisse ohne Schockwirkung auf die Märkte waren, wird nun beäugt, ob der neue französische Präsident Emmanuel Macron tatsächlich mit seinen Reformen durchkommt. In Wirklichkeit seien politische Fragen in Europa momentan nebensächlich, sagt Tilmann Galler im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.


In unsere Klickstrecke sehen Sie die wesentlichen Chancen und Gefahren, denen sich Investoren derzeit gegenüber sehen, grafisch aufbereitet.   


"Die Märkte konzentrieren sich auf die falschen Risiken", sagt der globale Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Politische Risiken seien 2017 nicht das Problem, sondern konjunkturelle und zyklische Ungewissheiten. Es gehe zurzeit mehr um die Frage, ob die sehr positiven Frühindikatoren Recht haben oder ob der Zyklus generell an Kraft verliert.

"2017 können wir uns in Europa voll auf die ökonomischen Aspekte konzentrieren. Das Angstrepertoire heben Sie sich am besten für 2018 auf", sagt Galler. Italien wählt voraussichtlich 2018, und hier lauern deutlich mehr Potenziale für eine europäische Krise. Grund: In keinem Land in der Eurozone gibt es eine so geringe Unterstützung für den Euro wie in Italien.

"Natürlich kann einem die kurzfristige Euphorie der Anleger, die man derzeit sieht, suspekt sein. Gleichzeitig ist ja auch die Volatilität niedrig. Es ist eines der ruhigsten Quartale der letzten Jahrzehnte. Mit der geringen Volatilität und dem linearen Wachstum wird es nicht so weitergehen. Es gibt gewisse Unsicherheiten, die die Volatilität erhöhen können, und die Renditepotenziale deckeln", so Galler. Zu den Risikopotenzialen, die man im Auge behalten muss, gehört der Hoffnungsmarkt China, wo die Politik restriktiver gegen die Kreditausweitung vorgeht, und die USA, wo ungewiss ist, wie weit der neue Präsident mit seinen Versprechen vordringt. (eml)