Die Risiken für die globale Konjunktur nehmen zu. Angesichts der vielen ungelösten Konflikte sieht Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, den Winter Einzug halten – mit entsprechend negativen Folgen für Aktien-Investoren. "Nachlassendes Wirtschaftswachstum, ein im Vergleich zum Vorjahr niedriger Ölpreis und der stagnierende Welthandel werden dem Umsatzwachstum schaden", analysiert der Anlageprofi.

Für die kommenden Monate rechnet Galler mit steigendem Margendruck für die Unternehmen. Vor allem die US-Regierung nimmt die aufkommende Schwäche in der Wirtschaft zum Vorwand, der US-Notenbank einzuheizen. Zinssenkungen sollen demnach der Schutzwall vor einer drohenden Rezession sein. Doch selbst, wenn die Fed dem Ruf der Politik mit zwei Zinssenkungen in diesem Jahr folgen sollte, ist es laut Galler zweifelhaft, ob damit die gewünschte Wirkung erzielt wird. "Allein der auslaufende Fiskalstimulus wird bis zum Ende des Jahres ein Prozent des US-Wachstums kosten", sagt der Anlageprofi.

Wirtschaft braucht Deeskalation im Handelskonflikt
Die Entwicklungen der US-Wirtschaft haben großen Einfluss auf den Rest der Welt. "Auch wenn der Anteil der USA am internationalen Warenverkehr bei nur acht Prozent liegt, zeigen die historischen Erfahrungen, dass die Gewinnentwicklung der US-Unternehmen sehr hoch korreliert ist mit der Aktivität im Welthandel", erklärt der Anlagestratege.

Eine Fortsetzung der Aktienrally ohne Aussicht auf entsprechendes Gewinnwachstum – also allein basierend auf expansiver Notenbankpolitik – hält er nicht für realistisch. Um eine globale Rezession abzuwenden, brauche es eine Deeskalation in der Handelspolitik. "Gelingt es nicht, in den kommenden Sommerwochen die nötigen Weichen zu stellen, könnte der wirtschaftliche Winter für viele Unternehmen schneller kommen als der kalendarische." (fp)