Viele Anleger fürchten, dass die Aktienmärkte im Laufe des Jahres einbrechen. Der Iran-Konflikt und das fortwährende Crescendo der Crash-Propheten befeuern diese Sorgen – zu Unrecht, ist Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management, überzeugt. "Es gibt de facto derzeit wenig Grund, besonders euphorisch oder panisch auf das Jahr 2020 zu blicken", sagt er. Aktien hätten zwar im vergangenen Jahr luftige Höhen erklommen, doch weder die Konjunktur noch die Bewertungen und schon gar nicht die Zentralbanken würden derzeit Anlass geben, einen jähen Absturz zu erwarten.

Das zeigt der Blick in die Historie. In den letzten 90 Jahren gab es beim US-Aktienindex S&P 500 17 Jahre mit einer Wertentwicklung von mehr als 25 Prozent. In fünf dieser Jahre schloss das folgende Kalenderjahr im Minus. "Das ist keine signifikante Abweichung von der üblichen Verteilung", sagt Galler. Die These, dass nach einem besonders erfreulichen Aktienjahr die Rückschlagrisiken im Folgejahr besonders hoch sind, ist somit nicht haltbar.

Keine Blase in Sicht
Auch für die Einschätzung, wie hoch die Crash-Risiken tatsächlich sind, hilft der Blick in die Vergangenheit: Seit 1928 gab es an den US-Börsen laut Gallers Beobachtung zehn Bärenmärkte, also Kursrückgänge von mehr als 20 Prozent. "Mit Ausnahme der Kuba-Krisen-Crashs von 1962 war allen gemein, dass sie entweder von einer Rezession begleitet wurden, in einem Umfeld hoher Zinsen stattfanden oder Aktien extrem bewertet waren", sagt der Investmentexperte. Das sei diesmal nicht gegeben.

Die Konjunktur dürfte in der ersten Jahreshälfte weiterhin von der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken gestützt werden, ist Galler überzeugt. Die Aktienbewertungen in den USA seien zwar mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 aktuell höher als der Durchschnitt, doch noch immer weit von einer Blase entfernt. "Die Erfahrungen der letzten 30 Jahre zeigen, das es ab einem KGV von 22 in US-Aktien kaum noch möglich ist, nachhaltig positive Renditen zu erzielen", erklärt Galler. Bis zu einer Extrembewertung ist also noch viel Luft nach oben. (fp)