Die Sektoren Healthcare, Banken in der EU und Goldminen zählen für Julius Bär zu den Favoriten im kommenden Aktienjahr. Der globale Gesundheitssektor sei attraktiv bewertet und profitiere von positiven Gewinnrevisionen, sagte Lutz Welge, Leiter Vermögensverwaltung bei Julius Bär Deutschland, anlässlich eines Mediengesprächs zum Ausblick 2026 am Donnerstag (4.12.) in Frankfurt. Außerdem werde die Branche in hohem Maße von Innovationen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz (KI) profitieren. 

Banken in der EU seien trotz ihrer jüngsten Outperformance weiterhin günstig bewertet, so Welge. Ihre Bewertung auf Basis des Kurs-Buchwert-Verhältnisses hinke den seit 2020 realisierten Ertragssteigerungen hinterher. Auch bei den Banken sieht er großes Potenzial für weitere Effizienzverbesserungen durch KI. 

Der "schockbedingte Rohstoffzyklus" entwickle sich zu einem reinen Goldzyklus, sagte Welge. Noch aussichtsreicher als physisches Gold seien Goldminenaktien, da sie in diesem Jahr aus ihrer langfristigen Trading-Range ausgebrochen seien. 

"Kein Show-Stopper" in den USA 
Die Aktienbewertungen in den USA nennt Welge "etwas erhöht, aber noch kein Show-Stopper". Die als "Magnificent Seven" bekannten wichtigsten US-Technologieunternehmen dürften auch im kommenden Jahr "das Maß der Dinge" bleiben. Nach vorübergehender Annäherung dürften sie im Jahresverlauf 2026 wieder eine deutlich stärkere Gewinnentwicklung zeigen als die übrigen Unternehmen im breiten amerikanischen Index S&P 500. Bei ihrer Bewertung sieht Welge "kein Blasen-Niveau, aber Warnsignale". Die jüngsten Quartalsergebnisse seien stark; die Free-Cashflow-Rendite und die liquiden Mittel im Verhältnis zum Unternehmenswert seien gefallen, aber noch über den Werten währen der Dotcom-Blase. 

Die US-Konjunktur dürfte im kommenden Jahr von günstigeren Finanzierungsbedingungen profitieren, da das nachlassende Beschäftigungs- und Konsumwachstum Zinssenkungen erlaube, sagte Chefökonom David Kohl. Positive Vorzeichen sieht er für den amerikanischen Wohnimmobilienmarkt, da sich die Hypothekenzinsen der für Hausbauer akzeptablen Schwelle von sechs Prozent annäherten. 

Keine Alternative zu Deregulierung in Europa 
In Europa könnten Konjunkturprogramme und Deregulierung die Binnennachfrage ankurbeln. Die weiterhin sehr hohe Sparquote der Privathaushalte deute allerdings auf Skepsis in Bezug auf die Umsetzung der Maßnahmen hin, so Kohl. Europa habe "keine andere Wahl, als auf Binnenwachstum zu setzen", da die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Exporteure unter hohen Arbeitskosten und starker Regulierung leide. Zur Deregulierung gebe es "keine Alternative", so der Volkswirt. (dv)