Es war der 1. Januar 1999, als elf Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) mit dem Euro eine einheitliche Währung einführten. Gleichzeitig wurde damit eine gemeinsame Währungspolitik unter der Leitung der Europäischen Zentralbank (EZB) eingeleitet. 20 Jahre wird er nun, doch trotz seines geringen Alters hat der Euro schon einiges mitgemacht.

Keine zehn Jahre alt, musste die Währung sich ab dem Jahr 2007 in der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise behaupten, die ab dem Jahr 2010 in die Euro-Krise mündete: Die drei Hauptfaktoren globale Wirtschaftskrise, Bankenkrise und horrende Staatsverschuldungen verstärkten sich wechselseitig so weit, dass insbesondere hochverschuldeten und strukturschwachen Staaten im Süden Europas der Kollaps drohte.

Es blieb nur die Fiskalpolitik
Ein Problem der Gemeinschaftswährung zeigte sich in dieser Phase: Die Notenbanken in den betroffenen Einzelstaaten konnten nicht individuell über den Leitzins durch diese bedrohliche Situation steuern. Es blieb nur noch die Fiskalpolitik. Mit der Konsequenz, dass die Bürger harte Einschnitte bei den Sozialleistungen hinnehmen mussten – vor allem im Sorgenkind Griechenland.

Diverse Austrittsgerüchte waren um die Jahre 2011 und 2012 besonders laut. Deutschland habe schon einen Plan in der Schublade, hieß es in den Medien. Oder, es könnte zu einer Aufspaltung in einen Nord- und einen Süd-Euro kommen.  2018 sorgten die angeblichen Exit-Pläne italienischer Populisten erneut für Aufregung. Auch von außen wird der Euro seit Beginn gern totgeredet, besonders von Beobachtern aus den USA oder Großbritannien. Wobei Kränkungen eines gewissen Hegemonieempfindens kaum zu übersehen sind. Anfang der 1970er-Jahre hatte der damalige US-Finanzminister John Connally noch ungeniert arrogant die Welt wissen lassen: "Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem". So einfach stehen die Dinge heute auch für die Finanzminister der Leitwährung Dollar nicht mehr. Nicht zuletzt aufgrund der Schaffung des Euro.

Überzeugende Fakten
Der vielfachen Euro-Kritik stehen zumindest ein paar überzeugende Fakten gegenüber, die man in anderen großen Währungsräumen wohl nicht so gern hört. Der Euro gilt heute als die zweitwichtigste Währung nach dem US-Dollar. 340 Millionen Europäer in 19 Mitgliedstaaten gehören dem Währungsraum an. Weltweit nutzen weitere 175 Millionen Menschen den Euro.

Die Einführung habe für Haushalte, Unternehmen und Staaten greifbare Vorteile gebracht: stabile Preise, niedrigere Transaktionskosten, sichere Ersparnisse, transparentere und wettbewerbsfähigere Märkte sowie eine Ausweitung des Handels. Das schreiben in einer Pressemitteilung die fünf unmittelbar für den Euro zuständigen Organe und Gremien der EU: Kommission, Parlament, Rat, Zentralbank und Euro-Gruppe. Weltweit haben diesen Angaben zufolge rund 60 Länder ihre Währungen auf die eine oder andere Weise an den Euro gekoppelt.

Erinnerungen an zähe, aber wegweisende Verhandlungen
Der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker räumt der Währung einen kaum überbietbaren persönlichen Stellenwert ein: "Als einziger noch politisch aktiver Unterzeichner des Vertrags von Maastricht erinnere ich mich an die zähen, doch wegweisenden Verhandlungen", so Juncker. "Nach 20 Jahren bin ich heute davon überzeugt, dass dies die wichtigste Unterschrift meines Lebens war", erklärt er.

Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rates, sagt anlässlich des Jubiläums, die einheitliche Währung sei Zeugnis der politischen und wirtschaftlichen Kraft, die die Europäische Union auf der internationalen Bühne charakterisiert. Der Euro habe sich trotz verschiedener Krisen als widerstandsfähig erwiesen. Und EZB-Präsident Mario Draghi sieht den Euro als "logische und notwendige Konsequenz aus dem Binnenmarkt."

Auch der Dollar hatte es anfangs nicht leicht
Typische Statements, die angesichts eines solchen Jubiläums erwartbar sind, die aber mit Blick auf die Historie etwas mehr Gewicht bekommen: Oft wird vergessen, dass auch der US-Dollar in seiner langen Geschichte besonders zu Beginn mit heftigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, inklusive Hyperinflation und Deflation begleitet jeweils von massiven Eingriffen der Regierungen. Angezweifelt wird die Währung, die im Unterschied zum Euroraum von einem echten Binnenmarkt gestützt ist, national und international heute kaum mehr.

Auch in der Eurozone ist der nächste Schritt, dass der Währungsraum zu einer echten Finanz-, Fiskal- und politischen Union ausgebaut wird. Der Anfang ist gemacht, aber der Weg ist noch lang. Einmal mehr werden sich die Bemühungen gegen innere und äußere Skepsis durchsetzen müssen: Gegen nationale europäische Entscheidungsträger, die nur ungern Kompetenzen abgeben und gegen einflussreiche globale Player außerhalb des Kontinents, die eine starke, mit einer Stimme sprechende Europäische Union ebenfalls mit Vorbehalt sehen. (eml)