Im Europa-Vergleich ist Deutschland beim Immobilienbesitz beinahe Schlusslicht. Nur rund die Hälfte der Menschen in der Bundesrepublik besitzt Wohneigentum – weniger sind es lediglich in der Schweiz. Daran dürfte sich so bald nichts ändern, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Denn auf dem deutschen Immobilienmarkt mangelt es an Nachschub, was das Angebot anbelangt. Im Jahr 2000 waren unter den Haushalten, die ein Haus oder eine Wohnung besitzen, 31 Prozent höchstens 45 Jahre alt. Im Jahr 2019 hatte sich diese Quote auf 15 Prozent mehr als halbiert. Im selben Zeitraum kletterte der Anteil von Immobilienbesitzer-Haushalten mit Bewohnern über 65 Jahre von 27 auf 40 Prozent.

Dass junge Menschen beim Wohneigentum abgehängt werden, liegt nicht nur am demografischen Wandel, erklärt Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) in der FAZ. "Die hohen Kaufpreise sind abschreckend", sagt er. Ein besonders Problem sind seiner Einschätzung nach die Kaufnebenkosten wie die Grunderwerbsteuer, die viele Bundesländer zuletzt kräftig angehoben haben. Anders als die reinen Kaufkosten werden die Kaufnebenkosten in der Regel nicht über die Bank finanziert, sondern müssen vom Käufer selbst gestemmt werden. Niedrigzinsen helfen hier also nicht. Insgesamt kommen durch die Kaufnebenkosten bis zu 11,75 Prozent Aufschlag auf den reinen Kaufpreis eines Hauses oder einer Wohnung.

Zu hohe Eigenkapitalanforderungen
Viele Banken lehnen Hundert-Prozent-Finanzierungen ab. Stattdessen erwarten sie von angehenden Hausbesitzern, dass diese zumindest einen Teil des Kaufpreises mit Eigenkapital decken. Bei einem durchschnittlichen Objektpreis von 300.000 Euro müssten Käufer mindestens über 60.000 Euro verfügen, rechnet Voigtländer vor. Viele Menschen, insbesondere junge, haben nicht so viel Geld. Laut einer IW-Studie im Auftrag der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung könnten gerade einmal rund 15 Prozent aller Mieterinnen und Mieter so viel Eigenkapital beibringen.

Laut IW macht Großbritannien vor, wie es besser geht. Dort gibt es für die Grunderwerbsteuer einen Freibetrag. Darüber hinaus ist die Abgabe nach Höhe des Kaufpreises gestaffelt. Das entlastet Briten, die günstige Häuser oder Wohnungen kaufen. Die Ökonomen des IW raten Politikern zudem, Immobilienkäufern bei der Finanzierung stärker unter die Arme zu greifen. "Besonders empfehlenswert ist eine Kreditversicherung, wie sie in Frankreich, Belgien und vor allem den Niederlanden etabliert ist", schreiben sie in der Studie. (fp)