Mietest Du noch, oder wohnst Du schon? Immer mehr junge Erwachsene wollen in einem eigenes Haus leben. Für die meisten von ihnen ist das allerdings finanziell kaum zu stemmen: Während die Hypothekenzinsen historisch niedrig sind, steigen die Immobilienpreise seit Jahren. Um sich den Traum von den eigenen vier Wänden dennoch erfüllen zu können, pumpen viele Jüngere ihre Verwandten an oder warten auf Erbschaften. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Finanzdienstleisters Dr. Klein unter privaten Immobilienbesitzern, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet.

Insgesamt bestreiten jüngere Menschen immer noch einen Großteil des nötigen Eigenkapitals aus eigenen Ersparnissen. Die Tendenz sei aber abnehmend, schreiben die Experten von Dr. Klein. "Die Verschiebung hin zu anderen Finanzquellen ist deutlich." Demnach stieg in den vergangenen zehn Jahren das geliehene Eigenkapital aus der Familie von 17 auf zuletzt 25 Prozent. Noch stärker nahm der Rückgriff auf Erbschaften zu: Früher setzten nur sieben Prozent der Jüngeren Nachlässe beim Hauskauf ein. Heute sind es 13 Prozent.

Muskelhypothek stirbt aus
Laut den Baufinanzierungsexperten ist es eine gute Idee, bei der Immobilienfinanzierung auf Ersparnisse zu setzen – auch wenn man dafür seine Familie heranziehen muss. Denn je mehr Eigenkapital Käufer einbringen, desto kürzer ist die Laufzeit des Kredites und desto günstiger wird die Finanzierung insgesamt. Während die Hypothekenzinsen bei einer Laufzeit von zehn Jahren bei 0,68 Prozent liegen, sind es bei einer doppelt so langen Kreditlaufzeit bereits 1,13 Prozent.

Ersparnisse werden auch deshalb wichtiger, weil die Bedeutung der sogenannten "Muskelhypothek" abnimmt: Immer weniger Darlehensnehmer nutzen die Möglichkeit, beim Hausbau selber Hand anzulegen und sich die Eigenleistung auf das Eigenkapital anrechnen zu lassen. Vor rund zehn Jahren machten Muskelhypotheken noch rund ein Fünftel des Eigenkapitals aus, zuletzt nur noch 13 Prozent. Es gibt allerdings regionale Unterschiede: Rund ein Viertel der befragten Immobilienbesitzer aus den neuen Bundesländern haben ihr Eigenheim unter anderem durch Eigenleistungen finanziert. In den alten Bundesländern waren es nur 16 Prozent. (fp)