Anleger sollten bei Bankaktien sehr genau hinschauen und im Zweifel lieber in vielversprechende Fintechs investieren, sagt Guy de Blonay, Fondsmanager des Jupiter Global Financials. Bankaktien konnten zuletzt zulegen – und zwar aus gutem Grund, sagt de Blonay: "Zinserhöhungen schlagen sich in einer verbesserten Nettozinsmarge nieder." Aber große Banken seien häufig komplexe Organisationen, und viele von ihnen hätten die Investition in IT sträflich vernachlässigt. "Im Zuge der Finanzkrise wurde die Frage laut, ob Großbanken 'too big to fail' seien, also zu wichtig, um zu scheitern. Der Fintech-Sektor wirft eine andere Frage auf: Sind die Großbanken 'too big to change' – sprich zu groß für Veränderung?", sagt de Blonay. Jahrzehntelang hätten Großbanken von der Kundenträgheit profitiert. Doch das ändere sich gerade grundlegend.

Was Anleger hinterfragen sollten, sei der Umstand, dass Fintechs reflationsbedingt ins Hintertreffen geraten sind. "In meinen Augen bedarf es eines ausgeglichenen Investmentansatzes, da zyklisches Wachstum in dem einen Bereich nicht zwingend strukturellem Wachstum in einem anderen Bereich widerspricht", sagt de Blonay. Wie alle Innovationen sei auch der Fintech-Sektor nicht gegen Phasen der Überfüllung hinsichtlich Investitionen oder übersteigerten Aktienmarkterwartungen gefeit. Dennoch gebe es genügend angemessen bewertete Unternehmen in diesem Bereich.

Spannende Entwicklungen in China
Die spannendsten Entwicklungen in punkto Fintech spielen sich dem Fondsmanager zufolge derzeit in China ab, wo die Technologieriesen Alibaba, Tencent und Baidu umfassende digitale Zahlungsdienste betreiben. De Blonay selbst setzt derzeit unter anderem auf junge Unternehen wie Temenos, Paypal und Global Payments, aber auch auf etablierte Kreditkartenunternehmen wie Visa und Mastercard. (fp)