Die Finanzmärkte sind in einer Welt der ewig lockeren Geldpolitik gefangen. Dies sagt der Top-Fondsmanager Ariel Bezalel im Interview mit FONDS professionell, das in voller Länge in der aktuellen Ausgabe 4/2020 erschienen ist. Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank EZB hätten seit der Finanzkrise "gigantische Blasen bei Vermögenswerten" erschaffen. "Nun sind die Zentralbanken darin gefangen – ohne Ausweg. Sie müssen das Kursniveau hoch halten, sonst würde es zu einer deflationären Krise kommen", so der Manager des milliardenschweren Jupiter Dynamic Bond Fund.

Zu der steten Stimulation durch die Notenbanken seien nun die Konjunkturpakete der Regierungen hinzugekommen, welche die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Wirtschaft abmildern sollen. Doch an diese Stützungsmaßnahmen hätten sich die Akteure gewöhnt. "Die Finanzmärkte sind wie ein Drogensüchtiger. Sie sind abhängig von Stimulierungsmaßnahmen", betont Bezalel. "Wenn sie diese nicht bekommen, ist das wie ein kalter Entzug."


Das vollständige Interview mit Ariel Bezalel lesen Sie in FONDS professionell 4/2020 ab Seite 132 oder hier im E-Magazin (Anmeldung erforderlich). Ausgewählte Zitate aus dem Gespräch finden Sie in der Bilderstrecke oben – einfach weiterklicken!


"Der große Zaubertrick der Zentralbanken"
Die Wirkung der lockeren Geldpolitik auf die Realwirtschaft sei aber gering, schränkt der Anleihenexperte von Jupiter Asset Management ein. "Denn das Geld, das die Fed an die Banken ausreicht, parken diese wiederum bei der Zentralbank und rühren es nicht an", erläutert Bezalel. "In Wahrheit entzieht die Fed dem System damit Liquidität und fügt keine hinzu. Das ist sozusagen der große Zaubertrick der Zentralbanken: Wie David Copperfield wecken sie die Illusion, dass sie Geld drucken – das tun sie aber faktisch gar nicht."

Die Währungshüter würden mit bloßen Ankündigungen und Absichtserklärungen versuchen, inflationäre Impulse heraufzubeschwören. Doch das funktioniere nicht, wie das Beispiel Japan zeige. Vielmehr verstärke die lockere Geldpolitik die Ungleichheiten. "Die Vermögenden werden noch reicher, denn sie besitzen die Vermögenswerte, deren Preise steigen: Aktien, Anleihen, Immobilien", so Bezalel. Der ärmere Teil der Gesellschaft falle im Zuge der sinkenden Zinsen hingegen zurück. Viele Menschen fühlten sich benachteiligt. "Leider beobachten wir ein erstes Glimmen einer Zerrüttung der Gesellschaft", mahnt der Jupiter-Mann.

"Zu wenig Kapitalismus"
Schließlich fordert Bezalel Zentralbanken und Politik auf, die strikte Abwehr von Rezessionen aufzugeben. "Leider grassiert unter Notenbankern die Vorstellung, dass Rezessionen schlecht sind. Nein, das sind sie nicht" argumentiert der Fondslenker. "Sie wirken gleichsam reinigend für das gesamte System." Überschuldete und schlecht geführte Unternehmen würden ausscheiden. "Dies schafft Raum und Kapazitäten für neue unternehmerische Ideen, und die Volkswirtschaft steht danach auf einer gesünderen Basis", meint Bezalel und fährt fort: "Meiner Meinung nach gibt es zu wenig Kapitalismus. Denn ein Kernelement des Kapitalismus ist das Scheitern, sprich die Pleite." (ert)