Ariel Bezalel, von Sauren Fonds Research mehrfach prämierter Manager des Jupiter Dynamic Bond Fonds, zeigte sich vor professionellen Marktteilnehmern in Wien anlässlich einer von Jupiter Asset Management ausgerichteten Investmentkonferenz unter dem Titel "Jupiter-Sturm" pessimistisch, was die weitere Kursentwicklung klassischer Rentenpapiere anbelangt.

Dynamischer Ansatz bringt viele Vorteile
Investoren haben bei den Einschätzungen Bezalels den Vorteil, dass der von Morningstar mit fünf Rating-Sternen bedachte Fondsmanager nicht auf ein einziges Anleihesegment beschränkt ist und damit nicht nur dieses über den grünen Klee lobt, sondern dass er mit seinem Jupiter Dynamic Bond im gesamten Rentenuniversum auf Renditejagd gehen kann und daher eine entsprechend uneingeschränkte und neutrale Sichtweise hat.

Bezalel ging am Beginn seines Vortrags auf die Rolle der Zentralbanken ein, deren Ruf und Stellung als "Master of the Universe" allmählich ins Wanken gerät. Grund: Selbst eine immer expansivere Geldpolitik könne die Realwirtschaft nicht ausreichend simulieren, kritisiert Bezalel. Der Jupiter-Experte glaubt daher, dass zukünftig der Fokus stärker auf einer dynamischeren Fiskalpolitik liegen wird – dass also beispielsweise kreditfinanzierte Infrastrukturmaßnahmen in Angriff genommen werden könnten.

QE hilft vorwiegend den Aktionären
Der Jupiter-Mann glaubt, dass die jüngsten Schritte der japanischen Zentralbank richtungsgebend für andere Zentralbanken, insbesondere die EZB, sein könnten. Die Bank of Japan setzte bewusst keinen weiteren Zinssenkungsschritt, weil dies einerseits Banken und Versicherungen schade, andererseits die Bevölkerung bei zu niedrigen Zinsen keine Chance auf die Bildung ausreichend hoher Beträge für die Altersvorsorge habe. Daher könnte auch die EZB von ihrer Negativzins-Politik abrücken und sich mehr auf die Steuerung der Zinskurve konzentrieren.

Bezalel kritisierte, dass die diversen QE-Maßnahmen zwar die angespannte Situation unmittelbar nach der Finanzkrise 2008/09 respektive 2011/12 in Euroland entschärften, aber nicht für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum sorgen konnten. Profiteure wären einzig und allein bereits wohlhabende Bürger, die sich über steigende Aktiennotierungen erfreuten.

Inflation könnte Rentenhausse beenden
Der Vortragende betonte damit noch einmal, dass die Rückkehr von Inflation keineswegs ausgeschlossen ist und dass sich damit die Schere in der Entwicklung von inflationären und deflationären Assetklassen, die sich seit den 1990er ausweitete, wieder schließen könne. Damit würden Anleihen unter Druck kommen und inflationssensible Investments – beispielsweise Rohstoffe, Gold oder zyklische Aktien – ein Comeback feiern. Für zumindest etwas mehr Inflation spricht auch die Entwicklung der US-Löhne. Diese steigen derzeit laut einer von Bezalel präsentierten Grafik um etwa 3,5 Prozent per annum. Zum Vergleich: Am Ende der Finanzkrise betrug dieser Wert um die 1,6 Prozent, unmittelbar vor der Finanzkrise lag der Wert bei etwa vier Prozent.

Vor dem Hintergrund dieses "Makro-Bildes" sind die derzeitigen Allokationsüberlegungen Bezales von Interesse: Er reduzierte die Duration seines Rentenportfolios von etwa fünf auf etwa drei. Das liegt daran, dass er bei deutschen Bundesanleihen eine Short-Position von rund zehn Prozent aufbaute. Auch von länger laufenden US-Treasuries hält er derzeit wenig. Bei Hochzinsanleihen hat der Fondsmanager die Duration ebenfalls reduziert. Von Anleihen aus dem Finanzsektor lässt er derzeit die Finger ganz.

Goldener Fallschirm
Ein Blick ins Portfolio zeigt, dass er per Ende August 2016 ein großes Exposure von 13 Prozent in australischen Anleihen hält. Großbritannien ist mit mehr als 24 Prozent, Asien mit 23 Prozent gewichtet. Hoffnungen setzt Bezalel auf ein Comeback Argentiniens. Zukünftig aussichtsreich scheinen auch indische Bonds zu sein, die er mit einem Prozent gewichtete. Beide Positionen sind nicht gehedged, um von Währungsgewinnen zu profitieren.

Stichwort Währung: Bezalel setzt mit seinen Fonds auch auf einen weiter steigenden Goldpreis. Er sieht das gelbe Edelmetall jedoch nicht als Rohstoff, sondern als Währung, die gegen Unwägbbarkeiten Schutz liefern soll. Zusätzlich hat Bezalel ein währungsabgesichertes Exposure in japanischen Wandelanleihen aufgebaut. Falls der japanische Yen stark fällt und der japanische Aktienmarkt stark steigt, würde er an der Hausse auch als Rentenfondsmanager profitieren. Diese Überlegungen Bezalels zeigen, warum der Fondsmanager seit Jahren immer wieder mit seiner guten Performance aufzeigt und in der Kategorie "Anleihen Global" zwei Sauren-Goldmedaillen verliehen bekam. (aa)