Die Notenbanken beschwichtigen, aber Klaus Kaldemorgen macht sich Sorgen wegen der stark gestiegenen Inflationsraten. "Das beunruhigt mich", sagt der DWS-Starmanager im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) mit Blick auf die jüngsten Teuerungszahlen. "Verschiedene Dinge rauben mir schlicht den Atem: Schauen Sie sich nur einmal die Entwicklung der Gaspreise an oder den Anstieg der Hauspreise." Eine solche Dynamik hatte der Manager des renommierten Mischfonds DWS Concept Kaldemorgen nach eigenem Bekunden kaum für möglich gehalten.

Dem Argument der Zentralbanken, dass die hohe Inflation auf Basiseffekte zurückzuführen und deshalb unproblematisch sei, mag der Fondsmanager nicht folgen. Es sei zwar richtig, dass viele Preise im vergangenen Jahr durch die Pandemie so niedrig waren, dass die Rückkehr zur Normalität wie ein gewaltiger Preisschub scheint. Das bedeute aber keineswegs Entwarnung. "Ich habe die Sorge, dass wir in eine Lohn-Preis-Spirale hineingeraten", sagt Kaldemorgen. Bleibt die Inflation über längere Zeit erhöht, "ergibt sich daraus politischer Sprengstoff", wenn die Löhne nicht ebenfalls steigen. "Mit jedem weiteren Monat, in dem die Inflation auf diesem Niveau verharrt, wird der Druck steigen", warnt der Anlageprofi.

Weiter sonnige Aussichten für Aktienanleger
Im Gespräch mit der FAS kritisiert der DWS-Altstar Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), für die anhaltenden Negativzinsen und Anleihekäufe ihres Hauses. Lagarde zufolge stabilisiert die Notenbank damit das Wirtschaftswachstum. "Mit Verlaub: Ich frage mich wirklich, was es da noch zu stabilisieren gibt", sagt hingegen Kaldemorgen. Die Fed sei immerhin nicht ganz so zurückhaltend. Auch in den USA ist aber in absehbarer Zeit nicht mit höheren Leitzinsen zu rechnen, was wiederum eine gute Nachricht für Investoren ist: "Wir haben noch Luft nach oben am Aktienmarkt", sagt Kaldemorgen.

An generell weiterhin guten Aussichten für Aktien kann auch das Evergrande-Debakel nichts ändern, ist der Anlageexperte überzeugt. Er geht davon aus, dass die chinesische Regierung den gestrauchelten Immobilienentwickler in staatliche Auffanggesellschaften überführen wird. "Die westlichen Kapitalmärkte wird das meiner Meinung nach kaum treffen, größere Ansteckungseffekte befürchte ich nicht."

China-Risiken sind kaum kalkulierbar
Manch eine Anleger fragt sich, ob die Evergrande-Krise Einstiegschancen bei chinesischen Aktien eröffnet. Von Kaldemorgen kommt hier ein klares Nein – und mehr als das: "Ich habe alle chinesischen Aktien in meinem Fonds verkauft", sagt er. Pekings rigoroses Vorgehen gegen Großkonzerne sei keine gute Nachricht für Aktionäre. "Es führt dazu, dass sich die Risiken in China nur noch schwer abschätzen lassen, weswegen ich dort zurzeit nicht investiere." (fp)