Harvard-Professor Kenneth Rogoff hat Investoren davor gewarnt, die Risiken des Iran-Konflikts zu unterschätzen. Märkte seien "naiv", wenn sie davon ausgingen, dass sich die Lage rasch entspanne. "Es wird noch mehr passieren. Aber die Märkte haben einfach entschieden: Das spielt keine Rolle, alles wird gut", sagte der frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds.

Rogoff bezeichnete den Konflikt als "einen großen stagflationären Schock", der die Auswirkungen der weiterhin wirksamen Zölle verstärke. Der Krieg habe die Sorge vor einem energiegetriebenen Inflationsschock neu entfacht. Mittelfristig dürften diese Faktoren die Zinsen eher steigen als fallen lassen, sagte er in einem Interview mit "Bloomberg TV" in Hongkong.

Dollar deutlich überbewertet
Seit dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten haben Anleger verstärkt in den US-Dollar investiert. Sie sehen ihn als sicheren Hafen in einer Phase zunehmender geopolitischer Spannungen und steigender Ölpreise. Dies habe den Dollar zusätzlich gestützt, während gleichzeitig die Erwartungen an sinkende Zinsen begrenzt würden.

Die hohe Bewertung des US-Dollar signalisiert laut Rogoff langfristige Korrekturrisiken. "Der Dollar ist wahrscheinlich immer noch mindestens 20 Prozent überbewertet", sagte er. "In jeder früheren Phase, in der der Dollar – oder ehrlich gesagt jede große Währung – so stark überbewertet war, hat er über einen Zeitraum von fünf oder sechs Jahren tendenziell nachgegeben."

Der "Bloomberg Dollar Spot Index" hatte im September 2022 ein Allzeithoch erreicht, als die Federal Reserve die Zinsen in ungewöhnlich schnellem Tempo anhob, um die Inflation zu bekämpfen. Seitdem ist der Index um mehr als zehn Prozent gefallen. (mb/Bloomberg)