Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter von Europas Bankvorständen so stark wie die Negativzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Viele Institute nennen die Strafgebühren sogar als Grund, weshalb Gebührenerhöhungen für Kunden unumgänglich seien. Der neuste Monatsbericht der Bundesbank deutet nun aber darauf hin, dass die Belastung durch die Geldpolitik für den Bankensektor weitaus geringer ausfällt, als die Branche weißmachen will. 

Darin verweisen die Ökonomen laut "Handelsblatt" auf das sogenannte Tiering-System, das die EZB zum 30. Oktober 2019 eingeführt hat. Es regelt, dass Banken wenigstens Teile ihrer überschüssigen Mittel auch zu null statt der sonst üblichen minus 0,5 Prozent bei der Notenbank parken dürfen. Zwischen Oktober 2019 und Dezember 2020 sollen die Finanzinstitute der Eurozone so 4,7 Milliarden Euro gespart haben. Auf Sicht von einem Jahr summiert sich die Ersparnis laut Bundesbank auf knapp 3,5 Milliarden Euro. 

Profitabilität bleibt unberührt
Dem gegenüber stehen Zahlungen in Höhe von 8,6 Milliarden Euro, die als Minuszinsen für überschüssige Liquidität an die Zentralbank geflossen sind. Trotzdem habe die Geldpolitik der EZB dem Sektor nicht geschadet, sind die Bundesbanker überzeugt. Die Negativzinsen sorgen zwar dafür, dass die Zinsmargen der Banken im Kredit- und Einlagengeschäft sinken, zeigt eine Analyse des Instituts vom Oktober 2020. Das gehe allerdings nicht mit einer Verschlechterung der Bankenprofitabilität einher, zumindest bislang. (fp)