Abends um kurz vor acht saß in Deutschland früher praktisch das gesamte Land vor dem Fernseher. Auch heute, im Zeitalter von Streaming-Diensten, ist dieser Sendeplatz einer der prominentesten, den die ARD zu bieten hat. Gesendet wird zu dieser Zeit seit mehr als 20 Jahren das Format "Börse vor acht". Klimaschützer wollen das nun laut Medienberichten ändern: Statt zu referieren, wie sich der Dax und die Wall Street im Tagesverlauf entwickelt haben, soll das Erste künftig kurz vor der "Tagesschau" News zum Klimawandel senden.

Wie unter anderem der "Tagesspiegel" vermeldet, hat sich die Initiative "Klima vor acht" mit einem offenen Brief an den ARD-Vorsitzenden Tom Buhrow gewandt. Gemeinsam mit prominenten 180 Erstunterzeichnern aus der Wissenschaft – darunter Hans Joachim Schellnhuber, Stefan Rahmstorf, Ernst Ulrich von Weizsäcker und Karsten Schwanke – fordern sie die ARD zu einer Berichterstattung auf, die der Bedeutung des Klimawandels gerecht wird. Nach Ansicht der Aktivisten braucht es ein regelmäßiges Format im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, um das Bewusstsein für die Klimakatastrophe zu schärfen.

Bulle und Bär dürfen wohl bleiben
Die Aktivisten haben nachgezählt, wie viele Sendungen in der ARD im vergangenen Jahr im Titel oder in der Beschreibung das Wort "Klima" führten. Ergebnis: 128. Beim Schlagwort "Wirtschaft" kommt die Initiative dagegen auf 365 Sendungen, also eine pro Tag – und das bereits, ohne "Börse vor acht" mitzuzählen. Durch die Berichterstattung zur Corona-Pandemie sind Klima-News zuletzt weiter in den Hintergrund getreten. Zudem laufen Beiträge zum Klimawandel laut "Klima vor acht" oft zu später Sendezeit und erreichen damit relativ wenige Zuschauer.

Im vergangenen Jahr hatten bereits rund 30.000 Menschen eine Petition unterzeichnet, die die ARD dazu auffordert, "Börse vor acht" gegen "Klima vor acht" auszutauschen, heißt es beim Mediendienst DWDL. Damals beschied die Rundfunkanstalt, sie bringe genug Sendungen zu Klimathemen. Diese Einstellung hat sich seitdem nicht geändert. In "Wissen vor acht" und "Wetter vor acht" gehe es viel ums Klima, erklärte Christoph Schmidt, geschäftsführender Redakteur bei der ARD, im Deutschlandfunk. Das muss seiner Ansicht nach offenbar genügen: Man könne nicht jeder Interessengruppe einen Sendeplatz freiräumen. (fp)