Die Wirtschaft der Eurozone dürfte ihr Wachstumstempo beschleunigen. Laut einer "Bloomberg"-Umfrage unter Ökonomen hat sie sich überraschend widerstandsfähig gegen die Auswirkungen des Iran-Kriegs gezeigt.

Für den Währungsraum wird 2026 nun ein Wachstum von 0,8 Prozent erwartet. Im Juli hatte die Prognose noch bei 0,5 Prozent gelegen. Die Aufwärtskorrektur geht fast ausschließlich auf die stärkere Entwicklung zwischen April und Juni zurück. Das Bruttoinlandsprodukt legte in diesem Zeitraum um 0,4 Prozent zu und damit doppelt so stark wie prognostiziert.

Ökonomen erwarten allmähliche Beschleunigung
Für die kommenden Quartale ließen die Befragten ihr Wachstumsprofil unverändert. Im dritten Quartal rechnen sie mit einem Plus von 0,2 Prozent. Anschließend erwarten sie eine allmähliche Beschleunigung.

Die Region hatte in den vergangenen Monaten eine Reihe von Belastungen zu verkraften. Dazu zählen höhere Energiepreise sowie Kosten- und Stellenabbau bei europäischen Autoherstellern. Hinzu kamen Waldbrände und historisch niedrige Wasserstände auf wichtigen Wasserstraßen.

Zuletzt hat sich die Stimmung angesichts neuer Bemühungen verbessert, den Konflikt im Nahen Osten zu beenden und die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Für Optimismus sorgen zudem die deutschen Bemühungen zur Wiederbelebung des Wachstums.

Deutschlands Wachstumsaussichten verbessern sich
In Europas größter Volkswirtschaft sorgt ein Ausgabenboom im Verteidigungssektor für zusätzlichen Schub. Laut einer separaten "Bloomberg"-Umfrage dürfte dies dazu beitragen, das gesamtwirtschaftliche Wachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr auf 1,2 Prozent im Jahr 2028 zu steigern. Im vergangenen Monat hatten Analysten für das laufende Jahr noch mit 0,6 Prozent Wachstum gerechnet. Grund für die Aufwärtskorrektur war ebenfalls die unerwartete Stärke im zweiten Quartal.

Ein umfassendes Reformpaket der Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz soll das Potenzial mittel- bis längerfristig erhöhen. Gleichzeitig bleiben Unternehmen auf dem gesamten Kontinent vorsichtig. Einige warnen bereits vor Belastungen für die Erträge im "zweistelligen Millionenbereich" angesichts des Umstands, dass niedrige Wasserstände von Rhein und Donau den Gütertransport behindern. (mb/Bloomberg)