Die Lage bei Evergrande wird immer prekärer. Die chinesische Wohnungsbaubehörde hat Banken offenbar davor gewarnt, dass der Immobilienriese kaum in der Lage sein wird, seine Kreditzinsen zu bedienen, die am 20. September fällig werden. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Der chinesische Mischkonzern hat Schulden von umgerechnet mehr als 300 Milliarden US-Dollar angehäuft. Zugleich belasten staatliche Eingriffe, mit denen Peking die massiv gestiegenen Immobilienpreise unter Kontrolle halten will, das Geschäft. Am vergangenen Dienstag (14. September) hatte das Unternehmen bereits mitgeteilt, es könne womöglich nicht allen seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen, schreibt "Spiegel Online".

Die größte Sorge von Beobachtern ist, dass eine Pleite von Evergrande den chinesischen Immobilienmarkt und mittelbar auch das chinesische Bankensystem ins Wanken bringt. Die Ratingagentur Fitch hält das allerdings nicht für allzu wahrscheinlich. Sie geht davon aus, dass Zahlungsausfälle bei dem Konzern für Chinas Banken im Großen und Ganzen zu verkraften sind. Ein Stresstest der People's Bank of China habe zudem ergeben, dass die durchschnittliche Eigenkapitalquote der rund 4.000 Banken in der Volksrepublik kaum sinken würde, wenn auch bei anderen Immobilienunternehmen die Zahl der ausfallgefährdeten Kredite zunimmt. Lediglich bei kleineren Instituten könnte es einen spürbaren Zuwachs an notleidenden Krediten geben.

Geldgeber werden unruhig
Anleger zeigen sich derweil hochgradig nervös. Die Meldung über den bevorstehenden Zahlungsausfall hat die Anleihen von Evergrande unter Druck gesetzt, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Nachdem ein bis Mai 2023 laufender Schuldtitel um mehr als 20 Prozent abgestürzt war, wurde das Papier in Shenzhen vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Andere Bonds von Evergrande werden teils nur noch zu einem Drittel ihres Nennwerts gehandelt. Der Aktienkurs des Unternehmens befindet sich ebenfalls auf Talfahrt. Nach Fitch hat nun auch Standard & Poor's die Bonität von Evergrande auf "CC" herabgestuft, die zweitniedrigste Note. Der Ausblick steht auf "negativ", eine weitere Herabstufung könnte also folgen. (fp)