Zehn Prozent Rendite – nicht pro Jahr, pro Tag! Angesichts solchen Versprechen sollten bei "Anlegern" die Alarmglocken schrillen. Das zeigt sich gerade wieder einmal.

Mit ebendieser märchenhaften Performance warb die Krypto-Handelsplattform Africrypt um gutgläubige Kunden. Die Erträge sollten zustande kommen, indem Anleger ihr Geld in immer neue Kryptowährungen eintauschen, schreibt das "Manager Magazin". Reich geworden sind aber offenbar nur die beiden Gründer der Plattform mit Sitz in Kapstadt, der 20-jährige Raees C. und sein 17-jähriger Bruder Ameer. Und das vermutlich nicht auf legale Weise: Die Brüder haben sich aus dem Staub gemacht, und mit ihnen sind ebenso knapp 70.000 Bitcoin im Wert von aktuell rund zwei Milliarden US-Dollar unauffindbar.

Sollten die Africrypt-Gründer nicht wieder auftauchen, hätten sie den bislang größten Krypto-Betrug aller Zeiten durchgezogen. Die Geschädigten sollten sich besser nicht zu viele Hoffnungen auf einen glimpflichen Ausgang machen. Einiges spricht nämlich dafür, dass das Untertauchen von langer Hand geplant war. So zeigten die Betreiber der Krypto-Börse bereits im April einen angeblichen Hacker-Angriff an und erklärten, ihre Plattform vorübergehend leider schließen zu müssen. Anleger kamen in der Folge nicht mehr an ihre digitalen Münzen heran. Die nachdrückliche Bitte der Brüder, keine rechtlichen Schritte einzuleiten, weil das den Neustart nur unnötig behindere, ließ einige Kunden aufhorchen, berichtet das "Manager Magazin". Sie beauftragten eine Anwaltskanzlei, den vermeintlichen Hack zu untersuchen. Da war es allerdings schon zu spät.

Kaum verschwunden, schon gewaschen
Die mutmaßlichen Krypto-Kriminellen sind inzwischen womöglich nicht mehr in Südafrika, sondern haben sich in ein anderes Land abgesetzt. Dafür spricht, dass die entwendeten Bitcoins aus den Wallets ihrer Kunden mehrfach über sogenannte "Mixer" oder "Tumbler" transferiert wurden. Das sei eine unter Gaunern beliebte weil probate Methode, um die Herkunft der Münzen zu verschleiern, erklärt das Wirtschaftsmagazin. Ähnlich wie bei der klassischen Geldwäsche werden "Coins" so oft hin und her geschoben, bis ihr Eigentümer nicht mehr eindeutig zurückverfolgt werden kann.

Laut "Bloomberg" hat sich inzwischen die südafrikanische Finanzaufsicht der Sache angenommen. Welche Handhabe sie hat, ist allerdings fraglich. Kryptowährungen zählen in Südafrika nicht zu den regulierten Finanzprodukten, fallen also gar nicht unter die Zuständigkeit der Finanzaufsicht. Gut möglich, dass die Africrypt-Gründer einfach verschwunden bleiben – und das Geld ihrer Anleger mit ihnen. (fp)