Berater und Anleger, die sich auf der Suche nach Rendite die verlockenden Kryptowährungen ansehen, sollten beim kleinsten Verdacht sofort die Finger davon lassen. Das Risiko, bei einem undurchsichtigen Angebot zu landen, ist speziell in Österreich sehr groß.

Das zeigen Daten der nationalen Finanzmarktaufsicht FMA: Die ist eigentlich für das Thema Kryptowährungen gar nicht zuständig, hat aber dennoch alle Hände voll damit zu tun. Viele Verbraucher nutzen die Behörde bei Schwierigkeiten mit diversen Kryptowährungs-Anbietern als Anlaufstelle. Die FMA erstattet Anzeige, wenn sie zu einem Fall zahlreiche Anlegerbeschwerden registriert. Allein seit Jahresbeginn hat die Behörde 16 Anzeigen wegen verdächtiger ICOs oder dubioser Kryptowährungs-Geschäfte eingebracht, wie ein Sprecher gegenüber FONDS professionell ONLINE sagte.

Zum Vergleich Daten aus dem Markt der seriösen Anbieter: Österreich hat nur knapp zwei Dutzend nationale Fondsgesellschaften. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine Anzahl von 16 Firmen gegen die allein aufgrund gehäufter Probleme von einer an sich nicht zuständigen Behörde Anzeige erstattet wird, besonders drastisch.

Kryptobegeisterung statt sinnvoller Anlage-Überlegungen
Österreich hat weltweit eine der stärksten Kryptowährungs-Communities, einige der größten Bitcoinunternehmen Europas stammen aus der Alpenrepublik (zb Bitpanda). Österreich ist eines der Länder mit der höchsten Dichte an Bitcoin- oder Kryptowährungsautomaten: Laut der Homepage "ATM-Radar" rangiert das Land weltweit an dritter Stelle nach den USA und Kanada. Dass man Kryptowährungsbons am Kiosk oder ganz gewöhnlich in Postfilialen kaufen kann, erstaunt ausländische Beobachter immer wieder.

Scheinbar zieht gerade dieser Hype aber auch viele Unternehmen an, die hohe Schäden bei Anlegern verursachen. Aufsehenerregende Fälle wie Onecoin oder bei der "Bitcoin-Sekte" Optioment hätten den Anlegern die Augen eigentlich öffnen müssen. Viele andere kleinere problematische Fälle erreichen hingegen nie die Öffentlichkeit. Sie treten aber unvermindert auf, wie die Finanzmarktaufsicht FMA kürzlich bei ihrer Jahresberichtpräsentation warnte.

Die Österreicher scheinen bei Kryptowährungen eine grenzenlose Begeisterung zu haben. Populäre Youtube-Videos von Verkaufsveranstaltungen zeigen volle Säle, während ein Investment in erprobtere Wertpapiere wie Fonds oder Direktinvestments wie Aktien und Anleihen einen vergleichsweise schlechte Reputation haben. Diversen Studien zufolge, sind zum Beispiel nur vier Prozent der Österreicher in Aktien investiert. (eml)