In "normalen" Zeiten gelten die Anleihemärkte als eher langweilig. Aus gutem Grund sind aber in der aktuellen Verfassung der Märkte die Augen vieler Börsianer auf die Entwicklung an den Bondmärkten gerichtet, meldet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Denn die aktuelle Zinsstruktur lässt Schlimmes erwarten. In den Augen vieler Marktexperten sende der deutsche Anleihemarkt aktuell ein bedrohliches Warnsignal, so die SZ-Autoren: Staatstitel mit zehn Jahren Laufzeit würden seit geraumer Zeit weniger Rendite abwerfen als Staatspapiere, die nur zwei Jahre laufen.

Das sei insofern ungewöhnlich, als Anleger üblicherweise weniger Rendite verlangen, wenn sie einem Staat nur für kurze Zeit Geld leihen und höhere Renditen erwarten, wenn sie dem Staat Finanzmittel für zehn Jahre oder länger zur Verfügung stellen. Das ist nachvollziehbar, da das Ausfallrisiko höher sei, je länger man als Geldgeber auf die Rückzahlung seines Gelds warten muss.

Keiner kennt den genauen Zeitpunkt
Stellt sich die Sache wie derzeit andersherum dar, bezeichnen Experten die Zinsstruktur als "invers". Oft ist auch von einer "Kurve der Angst" die Rede. Denn einem solchen "Kopfstand" der Zinsen sei in den vergangenen Jahrzehnten mit ziemlicher Regelmäßigkeit eine Rezession gefolgt. Das mache die Kurve zu einer echten "Rezessions-Kassandra", zitiert die Zeitung Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank in Deutschland. Das Problem: Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie lange es nach dem Eintreten einer inversen Zinsstruktur dauert, bis die Wirtschaft in die Rezession rutscht.

In der Vergangenheit habe es mitunter 18 Monate gedauert, bis die Wirtschaft tatsächlich auf Schrumpfkurs gegangen sei. Wenn es nach der Mehrzahl der Bankvolkswirte geht, könnte es diesmal schneller dazu kommen. Laut einer Umfrage des Informationsdienstes Reuters gehen die Ökonomen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft bereits im kommenden Jahr um 0,4 Prozent einbrechen wird. (hh)