Aktien zu kaufen ist eigentlich ganz einfach – außer, ein Anteilschein kostet 75.000 Euro. Ein solch stolzer Preis überstrapaziert das Budget durchschnittlicher Anleger deutlich. Der dahinter stehende Schweizer Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli hat dennoch bislang nie darüber nachgedacht, seine Aktien zu "splitten", getreu dem Motto: "Edel verpflichtet". Andere AGs denken weniger elitär und nutzen solch kursverkleinernde Maßnahmen, um gerade für Privatanleger attraktiv zu bleiben, so zumindest die offizielle Begründung.

Jüngste Beispiele sind die US-Konzerne Apple und Tesla: Ihre Aktien werden im Nennwert reduziert, wodurch sich die Zahl der handelbaren Papiere vervielfacht (bei Apple im Verhältnis 1 zu 4, bei Tesla in der Relation 1 zu 5) und der Kurs entsprechend "gesplittet" wird. Für Bestandsaktionäre ändert sich dadurch nichts, aber wie sollten Neuanleger verfahren? Sprich: Hübscht die Kurskosmetik die betreffenden Papiere tatsächlich auf? Oder bringt die vermeintliche Vergrößerung des Investorenpublikums wenig? Gleich zwei Studien gehen dieser Frage auf den Grund.

Die eine stammt aus der Feder von Maximilian Kunz. Der Senior Analyst des Multi-Family-Office HQ Trust versuchte herauszufinden, ob sich Splits positiv auf die Performance einer Aktie auswirken. Dafür hat Kunz knapp 7.500 Aktiensplits seit dem Jahr 1981 untersucht. Diese Zahl umfasst sowohl gebräuchliche Nennwertherabsetzungen als auch Reverse Aktiensplits – also künstlich erzeugte "Verteuerungen" des Kurses. Bei seiner Analyse berechnete Kunz die relative Entwicklung einer Aktie gegenüber dem Durchschnitt aller Aktien aus demselben Land, für den Zeitraum von einem Jahr vor dem Aktiensplit und einem Jahr danach.

Ergebnis: "Der Aktiensplit selbst markiert den Höhepunkt der relativen Performance", erklärt Kunz, um anzufügen: "Zwar können Aktien im Zeitraum zwischen der Ankündigung und dem Split im Mittel eine deutliche Outperformance generieren. Doch im Anschluss an das Ereignis beginnt eine Phase relativ systematischer Underperformance.“ Laut Kunzes Untersuchung konnten im Mittel weder Aktien, die einen Reverse Split durchgeführt haben, ihre zukünftige Kursentwicklung aufpäppeln, noch konnte sich die Outperformance der Unternehmen fortsetzen, die sich für einen normalen Split entschieden haben. Insgesamt hätten nur 34 Prozent der Aktien, die einen herkömmlichen Split durchführten, eine Outperformance im Jahr nach der Maßnahme erzielt. Bei den Reverse Splits liegt dieser Anteil bei 36 Prozent.

Starke Marke = starke Kurse?
Andere Schlüsse zieht eine Auswertung von EToro. Nach ihr bekommt die höhere Handelbarkeit der Titel ihrer Wertentwicklung sehr wohl. Der Online-Broker hat hierfür Daten von Aktiensplits aus sechs Jahrzehnten untersucht und festgestellt, dass diese den Kurs in der Regel stark haben steigen lassen, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Insbesondere markenstarke Börsenschwergewichte wie Apple oder Tesla scheinen hier im Vorteil: Im Durchschnitt klettern ihre Kurse im auf den Aktiensplit folgenden Jahr um gut ein Drittel. Eine relative Aussage zum jeweiligen Börsenindex wie in der HQ-Trust-Studie gibt es hier allerdings nicht.

Die Anteilscheine der beiden jüngsten "Kurszerkleinerer" jedenfalls haben mit Gewinnen reagiert. Auch die Geldbeträge, die EToro-Kunden seither in Apple- und Tesla-Aktien anlegten, seien im Vergleich zu den drei Wochen vor den einzelnen Ankündigungen gestiegen. Dies liege auch daran, dass sich Kleinanleger anlässlich solcher öffentlichkeitswirksamen Aktionen generell stärker mit den Finanzmärkten beschäftigten, meint EToro-Analyst Adam Vettese aus den Daten herauslesen zu können. Viele investierten dabei gerne in Unternehmen, deren Produkte sie liebten und täglich benutzten. Tesla und Apple seien zwei dieser Gesellschaften, und daher sei es wahrscheinlich, dass zahlreiche Investoren die Möglichkeit, sich zu attraktiveren Preisen in diese sehr populären Unternehmen einzukaufen, auch in den kommenden Wochen nutzen werden.

Wert und Preis sind nicht dasselbe
Generell sollten Anleger nicht vergessen, dass ein Aktiensplit nichts an den fundamentalen Eigenschaften eines Unternehmens ändert, erinnert HQ-Trust-Experte Kunz. "Investoren sollten sich daher von einem Aktiensplit nicht blenden lassen, sondern ihre Entscheidungen weiterhin von den fundamentalen Eigenschaften einer Aktie und den Wachstumserwartungen an das Unternehmen abhängig machen.“ Oder, um es mit den Worten des Börsengenies Warren Buffett auszudrücken: "Der Preis einer Aktie ist das, was man bezahlt. Der Wert ist das, was man bekommt."

Der Mann hat gut reden: Eine Originalaktie seiner Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway kostet aktuell umgerechnet 276.000 Euro. Wer's billiger will, muss auf Mitspracherechte verzichten und auf die vor rund zehn Jahren per Split neu kreierten "B"-Aktien der Gesellschaft zurückgreifen. Die sogenannten "Baby-Berkshires" kosten an der New Yorker Börse aktuell umgerechnet "nur"184 Euro. (aa/ps)