Die Corona-Krise hat die Zentralbanken zum Handeln gezwungen. Anleihekäufe in Milliardenhöhe haben Schlimmeres verhindert. Mittlerweile stößt die Geldpolitik in der noch immer grassierenden Pandemie allerdings an ihre Grenzen. Um die Wirtschaft zu stützen, sind jetzt drastische fiskalpolitische Maßnahmen nötig, sagt François Rimeu, Stratege bei La Française Asset Management. "Eigentlich war das schon vor der Corona-Krise der Fall, aber jetzt trifft es noch stärker zu", sagt er.

Für den Anlageexperten ist schon länger klar: Die lockere Geldpolitik hat erreicht, was sie erreichen konnte – wie bereits in den Krisen der Jahre 2008 und 2011. Niemand weiß, wie sich die Wirtschaft ohne die damaligen monetären Maßnahmen entwickelt hätte. "Die Geldschwemme hat es einigen Industrieländern ermöglicht, Haushaltsdefizite zu verzeichnen, ohne einen Anstieg ihrer langfristigen Zinssätze zu befürchten", sagt Rimeu. Mittlerweile hat sich der weltwirtschaftliche Konsens allerdings gewandelt: Selbst die Zentralbanken glauben zum jetzigen Zeitpunkt offenbar nicht mehr an eine Wirksamkeit großangelegter Anleihekäufe.

Die Politik ist gefragt
Andere Instrumente, mit denen der Staat konjunkturelle Schwankungen ausgleichen kann, werden laut Finanzstratege Rimeu wichtiger. "Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um die Fiskalausgaben zu verringern", erklärt der Finanzprofi. Ein Sparkurs wäre jetzt fatal: "Im aktuellen Umfeld wäre es für jede Partei politischer Selbstmord, eine Reduzierung der Steuerausgaben zu verkünden." Grund dafür ist die weiterhin hohe Arbeitslosigkeit. Zudem sind immer noch viele Dienstleistungsunternehmen von der Pandemie stark betroffen. "Solange es darauf keine Antwort gibt, wird die lockere Fiskalpolitik weitergehen", prognostiziert Rimeu. (fp)