EZB-Präsidentin Christine Lagarde sieht hohe Energiepreise zunehmend auf andere Bereiche der Wirtschaft durchschlagen. Die indirekten Auswirkungen der Inflation seien in den letzten Wochen mehr oder weniger überall deutlich zu sehen gewesen, sagte sie am Montag (15.6.) im Interview mit dem Sender "France Culture".

Die Europäische Zentralbank hatte vergangene Woche erstmals seit 2023 die Zinsen erhöht. Grund ist zunehmender Preisdruck infolge des Kriegs im Nahen Osten. Die Währungshüter schließen eine zweite Anhebung bereits bei ihrer Sitzung im Juli nicht aus. Geldpolitiker wie Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sagten, die Preise dürften länger erhöht bleiben, selbst wenn der Krieg im Iran bald enden sollte.

"Ich muss die Inflation bekämpfen"
Die steigenden Kreditkosten veranlassen einige EZB-Beobachter zu Besorgnis über die Folgen für die Wirtschaft. "Ich höre also Kritik – oft aus Frankreich, und ich verstehe sie – 'Sie ergreifen Maßnahmen, und das wird das Wachstum ersticken'", sagte Lagarde.

"Aber ich muss die Inflation bekämpfen, wenn sie wieder aufflammt, denn wenn die Inflation erst einmal außer Kontrolle geraten ist, wird es viel schwieriger und kostspieliger sein, sie wieder einzudämmen. Und eine langfristige Inflationssituation ist weder für Verbraucher noch für Unternehmen akzeptabel – und ich würde meinen Auftrag nicht erfüllen."

Hoffnung auf Entspannung bei der Straße von Hormus
Die EZB-Chefin äußerte sich wenige Stunden, nachdem die USA und der Iran erklärt hatten, sie hätten eine vorläufige Vereinbarung zur Wiederöffnung der Straße von Hormus erzielt.

"Wenn diese Nachricht durch Entwicklungen in den kommenden Tagen und die Unterzeichnung einer Absichtserklärung bestätigt wird, ist das eine gute Nachricht. Wir können sie nur begrüßen – vor allem, wenn sie die Wiederöffnung und Minenräumung der Straße von Hormus bedeutet", sagte Lagarde. (mb/Bloomberg)