Der anhaltende Aufschwung an den weltweiten Kapitalmärkten hat aus Sicht von Marktbeobachtern einen faden Beigeschmack, weil er eine künstliche Verlängerung des Bullenmarktes der letzten zehn Jahre durch die Zentralbanken sei: "Die Zentralbanken müssen den Versuch, ihre Geldpolitik zu normalisieren, wieder aufgeben", sagt Werner Krämer, Chef-Makroökonom beim Vermögensverwalter Lazard Asset Management. "Ein selbsttragender Aufschwung ohne Zentralbankgeld scheint nicht mehr möglich."

Von der derzeit herrschenden "Risk on"-Mentalität profitierten momentan zwar auch die Anlagemärkte. "Doch auch wenn die Bewertungen vieler Assetklassen hoch sind, sind die Konjunkturschwächen real, die politischen Risiken ebenfalls, und jeder Aufschwung ist letztlich endlich", gibt Krämer zu bedenken. Er empfiehlt Anlegern, die gegenwärtige Hausse in vielen Assetklassen für eine Umschichtung in weniger risikobehaftete Anlageklassen zu nutzen.

Globale Diversifikation wichtig
Insbesondere für deutsche Investoren sei eine globale Diversifikation aufgrund der wieder erreichten Niedrigzinsen in Deutschland naheliegend. "Aus Eurozonen-Sicht sind skandinavische oder globale Renten sehr interessant", argumentiert der Ökonom. Allerdings müssten Anleger auf die hohen Hedgingkosten achten. Sie seien in vielen Konzepten ein Problem, sodass dem Währungsmanagement eine wichtige Rolle zukomme. "Langfristig könnte die geänderte Geldpolitik der Fed aber dazu führen, dass die Hedge-Kosten wie zuletzt geschehen weiter zurückgehen", prognostiziert Krämer. (fp)