Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit 27 Jahren nicht mehr. Das BIP kletterte auf Jahresbasis im zweiten Quartal um 6,2 Prozent. Im Vorjahr waren es 6,4 Prozent gewesen. Dennoch lassen sich diese Zahlen im internationalen Vergleich sehen. Darüber berichtet die LBBW in einer aktuellen Analyse.

Die meisten der von Bloomberg befragten Bankenvolkswirte gingen davon aus, dass sich der Handelsstreit in den Daten zum zweiten Quartal leicht negativ bemerkbar machen würde, die zahlreichen Stützungsmaßnahmen der Regierung und der Notenbank aber einem Einbruch der konjunkturellen Dynamik entgegen stehen würden.

"Genau so kam es dann auch. Immerhin beschleunigte sich das BIP-Wachstum im Reich der Mitte auf Quartalsbasis ein wenig, und zwar von 1,4 Prozent auf 1,6 Prozent", schreibt die LBBW. Die Finanzmärkte reagierten dem Institut zufolge kaum auf die Daten. Das Währungspaar Dollar/Renminbi notierte zuletzt marginal leichter bei 6,87.

Unsicherheit belastet
Nach Ansicht der LBBW habe die chinesische Wirtschaft ihren Trend zu moderateren Wachstumsraten erwartungsgemäß fortgesetzt. Dies dürfte auch so bleiben. Denn im Handelsstreit habe der G20-Gipfel von Osaka zwar für eine gewisse Erleichterung gesorgt, eine Lösung liegt aber noch in weiter Ferne. Die latente Verunsicherung von Konsumenten und Unternehmen dürfte daher anhalten. So geht die LBBW nicht davon aus, dass sich die Wachstumsraten des chinesischen BIP im Jahresverlauf wieder erhöhen werden.

Die Investitionen der privaten Unternehmen haben in den vergangenen Monaten eher nachgelassen, was die chinesische Regierung nur durch die Lockerung von – eigentlich notwendigen – Restriktionen für die teils hoch verschuldeten Staatsunternehmen kompensieren konnte.

Kontraproduktive Maßnahmen
Solche Maßnahmen halten zwar die offiziellen Wachstumswerte des BIP hoch, seien laut LBBW aber eher kontraproduktiv bei der Lösung der drängenden Probleme der Überkapazitäten und der Unternehmensverschuldung. Wie dem auch sei: Positiv zu vermerken sei der Anstieg beim Wachstum der Industrieproduktion im Juni von 5,2 Prozent (Jahresbasis) auf 6,3 Prozent.

Die "künstliche" Aufrechterhaltung hoher BIP-Wachstumswerte habe nach Ansicht der LBBW aber ihren Preis, der früher oder später in Form verstärkter Konsolidierungsanstrengungen bezahlt werden muss. Einem Einbruch der chinesischen Konjunktur wird sich die Regierung nach Einschätzung der LBBW vorerst aber weiterhin mit allen Mitteln entgegen stellen. (aa)