Die deutschen Lebensversicherer, ihre Pensionskassen und Pensionsfonds haben 2019 Beiträge in Höhe von 102,5 Milliarden Euro verzeichnet, das ist rechnerisch ein Plus von 11,3 Prozent. Ebenfalls erfreulich hat sich nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auch die betriebliche Altersversorgung (bAV) entwickelt: Die gesamten Brutto-Beiträge stiegen 2019 um 5,3 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro. Das Marktumfeld bleibt wegen der niedrigen Zinsen aber extrem herausfordernd. Für das laufende Jahr erwartet die Branche in der Lebensversicherung lediglich Beitragsplus von gut einem Prozent.

Doch wie sieht es bei den Auszahlungen aus? Einen Einblick gibt der neue Alterssicherungsbericht 2020, den das Bundeskabinett kürzlich vorgestellt hat. Dieser wird nur einmal pro Wahlperiode erstellt. Er beleuchtet die Leistungen aus verschiedenen Alterssicherungssystemen, die Gesamteinkommen der Senioren sowie die Verbreitung von bAV und privater Altersvorsorge.

"Alterssicherung in Deutschland ist gut aufgestellt"
Demnach betrug 2019 das Haushaltsnettoeinkommen aller Ehepaare und Alleinstehenden ab 65 Jahre im Schnitt 2.207 Euro. Das sind 14 Prozent mehr als 2015, dem Berichtsjahr des letzten Alterssicherungsberichts. Die Teuerungsrate für die Lebenshaltung ist hingegen nur um 5,3 Prozent gestiegen. "Die Alterssicherung in Deutschland ist gut aufgestellt", folgert Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Den Beweis in Zahlen liefert die Statistik aber nur zum Teil.

Das am meisten verbreitete Zusatzeinkommen außerhalb der Alterssicherungssysteme sind Zinseinkünfte. 22 Prozent der Ehepaare und 17 Prozent der alleinstehenden Senioren haben solche Erträge: Ehepaare monatlich 265 Euro, Alleinstehende 210 Euro (im Osten: 125 Euro bzw. 111 Euro). 18 Prozent der Ehepaare haben Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, im Schnitt 1.064 Euro pro Monat (Alleinstehende: 771 Euro).

Wenig LV-Rente, aber viel Kapitalabfindung
Nur sieben Prozent der Ehepaare ab 65 Jahre bekommen eine Rente aus privaten Lebens- oder Rentenpolicen (Alleinstehende: 5 Prozent). Ein Grund ist das weit verbreitete Kapitalwahlrecht, das die vollständige Auszahlung auf einen Schlag statt der Verrentung erlaubt. Die privaten LV-Renten betragen im Westen bei den Ehepaaren im Schnitt 367 Euro und bei den Alleinstehenden 375 Euro (im Osten 181 Euro bzw. 169 Euro monatlich). Enthalten sind hier auch Renten aus Riester-Verträgen.

Den GDV-Daten für das Jahr 2020 zufolge zahlten die Lebensversicherer 2019 insgesamt 84,5 Milliarden Euro aus (+7,4 Prozent). Das entspricht 232 Millionen Euro pro Tag. Das Gros floss als einmalige Kapitalabfindung aus den Hauptversicherungen (48,8 Milliarden Euro), während 8,28 Milliarden als Rente aus Hauptversicherungen gezahlt wurden. Hinzu kamen noch gut 2,6 Milliarden Euro an Abfindungen und Renten aus Zusatzversicherungen. Unterm Strich entspricht die LV-Leistung 30,5 Prozent der Rentenausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung.

16 Millionen Riester-Verträge, 2,3 Millionen Basisrenten
Aktuell gibt es gut 16,4 Millionen Riester-Verträge (Stand: Juni 2020) und damit rund 70.000 weniger als 2018, wie der Alterssicherungsbericht ausweist. Mit 10,7 Millionen Verträgen und einem Anteil von 65,2 Prozent ist die private Rentenversicherung weiter die dominierende Vorsorgeform, gefolgt von 3,3 Millionen Fondssparplänen (20 Prozent), 1,8 Millionen Wohn-Riester-Verträgen (11 Prozent) und 599.000 Banksparplänen (3,6 Prozent). 20 Prozent der Verträge sind allerdings beitragsfrei gestellt. Im Schnitt zahlt jeder 1.062 Euro Jahresbeitrag (samt Zulagen).

Aktuelle Zahlen für Riester-Zulagen liegen erst für 2017 vor, als rund elf Millionen Sparer Riester-Förderung erhalten hatten. Insgesamt gab es 2017 rund 3,9 Milliarden Euro Förderung – 70 Prozent Zulagen und 30 Prozent Steuerermäßigung. Im Schnitt belief sich die Förderung auf rund 356 Euro pro Sparer, was 38 Prozent Förderquote entspricht. Rund 69 Prozent der unmittelbar Förderberechtigten verdienten weniger als 40.000 Euro brutto im Jahr, etwa 33 Prozent sogar weniger als 20.000.

Vielfach mehrere Zusatzversorgungen, oft gar keine Vorsorge
Der Bericht weist auch Ergebnisse zur staatlich geförderten Basisrente aus, die kein Kapitalwahlrecht erlaubt. Sie ist seit 2005 am Markt. Inzwischen gibt es 2,35 Millionen Verträge (Stand: Ende Juni 2020). Insgesamt haben zwei Drittel der Beschäftigten eine zusätzliche Altersvorsorge, entweder über eine Betriebsrente und/oder einen Riester-Vertrag, zeigt der Bericht. Fast 30 Prozent davon zahlen laufende Beiträge in einen Riester-Vertrag ein, 18 Prozent besparen sowohl einen Riester-Vertrag als auch eine bAV, ergab 2019 eine Personenbefragung des Instituts für angewandte Sozialwissenschaft (infas).

Während über alle Einkommensklassen hinweg rund 35 Prozent der Befragten angaben, über keine zusätzliche Altersvorsorge zu verfügen, sind es knapp 54 Prozent bei Geringverdienern mit weniger als 1.500 Euro Bruttolohn. Insgesamt gab es knapp 4,2 Millionen Geringverdiener. Kriterium für deren bAV-Förderung sind maximal 2.575 Euro Bruttoeinkommen monatlich. (dpo)