"Ob long, ob short – das Geld ist fort", lautet ein zynischer Spruch. Wobei: Einen grundlegenden Unterschied gibt es. Wer mit Wetten auf steigende Kurse Schiffbruch erleidet, darf sich in aller Regel des Mitgefühls einer großen Gemeinde von Leidensgenossen sicher sein. Wer das Gegenteil wagt, also auf sinkende Notierungen setzt, und das mit Wertpapieren, die bloß geliehen sind, dem ist im Falle des Scheiterns Schadenfreude gewiss. Aus geschäftlichem und börslichem Elend anderer Profit zu schlagen, ist durch und durch unethisch, so der Konsens. Umso größer die Genugtuung, wenn solche "Leerverkäufer" leer ausgehen. Andere halten dagegen, dass Shortseller legitime Interessen verfolgen und ihnen eine wichtige Selbstreinigungsfunktion an den Märkten zukommt: Durch ihr Tun machen sie schließlich eklatante Missstände öffentlich – der Fall Wirecard oder die Short-Geschäfte des Hedgefonds-Magnaten John Paulson auf das Platzen der amerikanischen Subprime-Blase Ende 2008 seien hier stellvertretend genannt.

Neu entfacht wurde die Moral-Debatte jüngst durch das Treiben um die Aktie des amerikanischen Videospiel-Einzelhändlers Gamestop – auf eine besonders perfide Art: Hier nämlich scheinen einige Jäger, also für ihre Leerverkaufs-Aggressivität berühmt-berüchtigte Hedgefonds, selbst zu Opfern geworden zu sein. Und das mit Absicht: Heerscharen kampfeslustiger Kleinanleger hatten sich über soziale Plattformen dazu verabredet, an dem Gamestop-Papier ein Exempel zu statuieren und den Börsen-"Bösewichtern" ihr Handwerk zu legen. Doch welche Facetten hat Short Selling überhaupt? FONDS professionell ONLINE testet Ihr Wissen!