Die Weltwirtschaft schwächelt, doch der Ölpreis bleibt konstant hoch. Das liegt vor allem an der Angebotsseite und dort zum Beispiel daran, dass US-Produzenten nicht mehr um jeden Preis neue Ölreserven erschließen: "Die neuentdeckte Politik der US-Produzenten, die finanziellen Konservativismus über Wachstumsziele stellt, hat dazu geführt, dass sich Bilanzen und Liquidität verbessert haben. Was wir hingegen nicht mehr sehen, sind hohe Kapitalinvestitionen, was Explorationen einschließt", sagt J. Gibson Cooper, Fondsmanager bei der Legg Mason-Tochter Western Asset Management.  

"Der Ölmarkt wird sich weiter verengen", sagt Cooper. So sei die Ölschieferproduktion in den USA von steilen Rückgängen und hohe Kapitalaufwendungen gekennzeichnet. "Der Abbau von Schieferöl geht zudem immer mit Erdgas als Nebenprodukt einher. Mit zunehmendem Verfall wird mehr Gas als Öl produziert, was die Rückgangsraten des Öls verschärft und deshalb das Angebotswachstum zusätzlich verlangsamt", führt Cooper weiter aus.

Unzureichende Investitionen
Zudem sieht der Experte auf der Angebotsseite unzureichende Investitionen in traditionelle Fördermethoden wie Tiefseebohrungen. Die großen Rohstoffmultis konzentrierten sich derzeit stattdessen vor allem auf kohlenstoffarme Methoden. Dazu zählt ein stärkerer Fokus auf Erdgas, ein Herabsteigen in der Wertschöpfungskette hin zur Petrochemie, Energieerzeugung und Biokraftstoffe. Diese fehlenden Investitionen in langfristige Angebotsquellen werden nach Meinung von Cooper und seinen Kollegen dazu führen, dass sich der Markt weiter verengt. 

Und zu guter letzt dürfe man die geopolitischen Risiken als Preistreiber nicht unterschätzen. "In Libyen und Nigeria kam es bereits zu Produktionsausfällen. Hinzu kommen Sanktionen in Venezuela und dem Iran", betont Cooper und führt weiter aus, "es dürfte bis zu einem Jahr dauern, bis die Auswirkungen des erst kürzlich bekanntgegebenen Endes der iranischen Ausnahmegenehmigung spürbar werden. Jedoch verschwindet damit das gesamte iranische Ölangebot vom Markt." (fp)