Die Corona-Pandemie ist seit Monaten das alles bestimmende Thema in der öffentlichen Wahrnehmung. Dabei brodelt es auch an anderer Stelle. Beispiel USA und China: Zwar haben die Parteien im Januar mit dem Phase-1-Abkommen vorerst einen Schlussstrich unter die monatelangen Handelsstreitigkeiten gezogen. US-Präsident Donald Trump ist aber weiterhin um keinen verbalen Knüppel verlegen, um seine Position zu stärken.

"Erst bezichtigten die USA China, für die Verbreitung des 'Chinese virus' verantwortlich zu sein und bei seiner Eindämmung versagt zu haben, und nun stellt das Land China wegen Industriespionage bei den Forschungsinstituten, die an einem Impfstoff gegen Covid-19 arbeiten, an den Pranger", sagt Clément Inbona, Fondsmanager bei La Financière de L’Échiquier (LFDE). Als Vergeltungsmaßnahme drohe Trump nun, die Beziehungen zu seinem chinesischen Partner abzubrechen. "Das im Januar geschlossene Phase-1-Abkommen scheint somit nur noch am seidenen Faden zu hängen."

Briten bleiben stur
Das andere zwischenzeitlich aus dem Blickfeld geratene Thema ist der Brexit. In den kommenden Monaten könnte er wieder auf die Titelseiten rutschen. Denn nach den zähen Verhandlungen, die schließlich in der Trennung mündete, erscheint der Terminplan für die Klärung der Einzelfragen zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union recht ehrgeizig. Der Lockdown und die gegensätzlichen Positionen der Protagonisten würden es kaum möglich machen, die künftigen Beziehungen bis zum 31. Dezember 2020 detailliert festzulegen, erklärt Inbona.

Trotzdem wollen sich die Briten keine Zeit kaufen. Sie schließen eine Terminverschiebung, die bis 1. Juli 2020 beantragt werden müsste, kategorisch aus. Die europäischen Unterhändler beklagen dagegen die Sturheit der Briten bei komplexeren Themen. "Alles deutet darauf hin, dass es – leider abermals – erst soweit kommen muss, dass wir kurz vor dem Abgrund stehen, bevor sich die Positionen aufweichen und Kompromisse möglich werden", sagt Inbona. (fp)