Anleihen werden wieder attraktiv, prognostiziert Olivier de Berranger, Investmentchef der französischen Fondsgesellschaft La Financière de l'Échiquier (LFDE). Das hätte auch zur Folge, dass das Konzept der Diversifizierung "wieder in Mode kommt". Denn wenn die Zinsen der Zentralbanken steigen, sinken die Risikoprämien von Aktien, also der Renditeabstand gegenüber der Geldanlage in Staatsanleihen. Noch liegt die Risikoprämie in den USA bei rund vier Prozent und in Europa sogar bei 5,7 Prozent. "Sie hat sich jedoch mit der jüngsten Zinsanhebung bereits deutlich verringert", sagt Berranger.

Die "ultralockere Geldpolitik" der vergangenen Jahre hatte die Renditen von Staatsanleihen immer weiter schrumpfen lassen. Weil aber risikobehaftete Unternehmensanleihen und Aktien so gut performten, hatten Anleger diese gegenüber Staatsanleihen bevorzugt. Jetzt könnten die weltweiten Zinsschritte als Reaktion auf die steigende Inflation das Blatt wenden.

Schlechte Monate für Anleihen
In den vergangenen Monaten hatten Anleihen ähnlich schlecht abgeschnitten wie die globalen Aktienkurse. Dieser Gleichlauf, also die hohe Korrelation beim Wertverlust, hatte das Konzept der Risikostreuung über eine Mischung von Aktien und Anleihen in Frage gestellt, so Berranger. Zusätzlich belasten die hohen Inflationsraten Investments: Während Unternehmen von Preissteigerung sogar profitieren können, wenn sie es schaffen, höhere Preise an ihre Kunden weiterzugeben, verlieren die Zinsen von Anleihen bei steigender Inflation real an Wert. "Anleihen werden jedoch bei den ersten Anzeichen einer Stabilisierung der Inflation wieder attraktiv", sagt Berranger. Festverzinsliche Titel profitieren zudem in der Regel von Wirtschaftskrisen, weil Anleger "sich in sichere Häfen flüchten". (fp)