Auch mehr als vier Jahre nach dem Referendum arbeitet das Vereinigte Königreich noch an einem Konsens, wie der Ausstieg aus der Europäischen Union vonstattengehen soll. Die britischen Wahlen im vergangenen Jahr hatten die Chancen auf einen weichen Brexit erheblich geschmälert. Seitdem sind die Chancen auf ein umfassendes Abkommen nur weiter gesunken. "Die Veröffentlichung der sogenannten Internal Market Bill, die in einigen Bereichen gegen das Austrittsabkommen verstößt, macht ein Ergebnis bis Jahresende erneut unwahrscheinlicher", sagt Hetal Mehta, Senior-Ökonomin bei Legal & General Investment Management (LGIM).

In Frage kommt damit aus Sicht der Expertin eigentlich nur noch ein Konsens, bei dem Zölle weitgehend vermieden würden – im besten Fall. Bei weniger glücklichen Verhandlungen droht dagegen nach wie vor ein harter Brexit. Diesen könnten die Partner im Prinzip nur noch vermeiden, wenn es zu einer Blockade im Parlament kommt, einer politischen Wende oder einem deutlichen Entgegenkommen aus Brüssel. "Nichts davon ist besonders wahrscheinlich", sagt Mehta. Die Ökonomin schätzt die Wahrscheinlichkeit für einen No-Deal-Brexit auf etwa 80 Prozent.

Covid-19 überschattet Brexit
Doch egal ob harter oder nicht ganz so harter Brexit: Die Folgen für die britische Wirtschaft dürften in beiden Szenarien wohl überschaubar bleiben. "Covid-19 sowie die Finanz- und Geldpolitik werden sie voraussichtlich überlagen", sagt Mehta. Die Auswirkungen für die EU dürften noch geringer ausfallen und sich vorwiegend auf Länder konzentrieren, die stark vom Handel abhängen, etwa die Niederlande oder Irland. (fp)